Presserecht

Journalistenvereinigung verleiht Negativ-Preis an die FIFA

Im Rahmen ihrer Jahresversammlung 2012 hat die Journalistenvereinigung „netzwerk recherche“ den Negativ-Preis „Verschlossene Auster“ an die Féderation Internationale de Football Association (FIFA) und ihren Präsidenten Sepp Blatter verliehen.

Der Kritik-Preis wurde zum elften Mal verliehen und ist ein Symbol für „mangelnde Offenheit und Behinderung der Pressefreiheit von Personen oder Organisationen gegenüber den Medien“, so die Meldung von netzwerk recherche.

Oliver Schröm, Vorsitzender von netzwerk recherche, begründete die Entscheidung der Jury folgendermaßen: „Die FIFA hat in den vergangenen Jahren alle Versuche kritischer Journalisten, über Korruption und Ungereimtheiten bei der Postenvergabe zu recherchieren abgeblockt.“

Die Tatsache, dass auf dem FIFA-Kongress in Budapest die Punkte Ethik und Compliance hervorgehoben worden seien, sei lediglich „Kosmetik“, so die Meldung weiter. „Das zeigt sich schon daran, dass sie lediglich in Zukunft gelten sollen und keinesfalls die kritische Aufarbeitung der Vergangenheit geplant ist.“

Intransparentes Lohnsystem und Aufwandsentschädigungen

Der Schweizer Nationalrat und ehemalige FIFA-Mitarbeiter Roland Büchel betonte in seiner „Laudatio“, dass selbst gerichtlich erwiesene Schmiergeldzahlungen Blatters Selbstverständnis nicht verändert hätten. Auch das intransparente Lohnsystem sowie Zahlungen von Boni und Aufwandsentschädigungen seien kritisch zu betrachten, so Büchel.

Weiter sagte er: „Im letzten Jahr schüttete die FIFA 96,8 Millionen Dollar an Löhnen, Zahlungen an Ehrenamtliche und Boni aus – nicht übel für einen nicht gewinnorientierten Verein mit extremen steuerlichen Privilegien und einem ideellen Zweck.“ Während positive Berichterstattung also belohnt werde, würden kritische Medien-Anfragen nicht beantwortet werden. Selbst der Europarat sei mittlerweile „in 124 akribisch aufbereiteten Punkten zu einem vernichtenden Urteil“ über die FIFA gekommen, so die Meldung weiter.

„Der Präsident verträgt keine Meeresfrüchte“

FIFA- Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio schrieb netzwerk recherche bezüglich der Asuzeichnung: „Ich wäre gerne zur Veranstaltung gekommen, da ich Austern mag, aber ich bin zurzeit in Brasilien. Der Präsident selber verträgt keine Meeresfrüchte, zudem ist seine Agenda proppenvoll. Grundsätzlich glaube ich, dass Sie zu spät sind mit der Auszeichnung. Die Auster hat sich inzwischen geöffnet. Es geht in der Regel eine Weile, bis auch Recherchierjournalisten das merken. Die Austern im Kopf bleiben oft über das Verfalldatum hinaus geschlossen.“ Allerdings sei er jederzeit bereit, sich einer Sachdiskussion zu stellen, so die Meldung weiter.

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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