Presserecht

Jahresbilanz Presserat 2013: Weniger Beschwerden, mehr Rügen

Auf seiner Jahrespressekonferenz hat der Deutsche Presserat die Bilanz für 2013 vorgelegt. Demnach gab es im vergangenen Jahr weniger Beschwerden als 2012 – trotzdem wurden mehr Rügen ausgesprochen.

Weniger Beschwerden

2013 hätten sich insgesamt 1.347 Leser mit Beschwerden an den Deutschen Presserat gewandt um redaktionelle Beiträge anhand des Pressekodex prüfen zu lassen. 2012 waren es noch 1.500 Beschwerden gewesen. Allerdings habe es 2013 weniger Sammelbeschwerden im Vergleich zu den Vorjahren gegeben (z. B. bei der Loveparade-Berichterstattung gingen damals 240 Beschwerden, wegen des Papst-Covers der Titanic 180 Beschwerden ein).

© svort Fotolia

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Sammelbeschwerde gegen Taz-Kolumne

Die größte Sammelbeschwerde 2013 richtete sich gegen die Taz-Kolumne zur Papstwahl, die mit der Überschrift „Junta-Kumpel löst Hitlerjunge ab“ versehen war. Insgesamt gingen 49 Beschwerden zur Veröffentlichung der Kolumne ein, die wegen eines Sorgfaltspflichtverstoßes gerügt wurde. Die textidentische Online-Kolumne, die sich lediglich durch die Überschrift unterschied („Alter Sack der xte“) wurde jedoch nicht beanstandet.

Weitere Aufreger waren 2013 eine satirische Postkarte der Titanic zur Diskussion um die „Pille danach“ (17 Beschwerden) sowie die Berichterstattung „Die Tricks der Optiker“ im STERN (23 Beschwerden), so die Meldung des Deutschen Presserats weiter.

Fast 60% Online-Beschwerden

Bei den Beschwerden lasse sich eine deutliche Hinwendung zum Online-Bereich feststellen: 59% aller Beschwerden richteten sich gegen Onlineberichterstattungen, 36% gegen Printartikel. In 5% der Fälle richtete sich die Beschwerde gegen die zumeist gleichlautende Print- und Online-Berichterstattung. Damit verschiebe sich Verhältnis seit 2010 (Online: 43 Prozent gegen Print, 49 Prozent gegen Online und 8 Prozent gegen beides) kontinuierlich in Richtung Online, so die Meldung des Deutschen Presserates weiter.

Pressekodex für Onlinebereich anpassen

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wolle man die publizistischen Grundsätze mit Blick auf online-spezifische Darstellungsformen und Begrifflichkeiten überarbeiten. Denn ursprünglich sei der Pressekodex für die Print-Berichterstattung entwickelt worden.

Ursula Ernst, Sprecherin des Deutschen Presserats, sagte dazu: „Bei der grundsätzlichen Bewertung machen wir keinen Unterschied, ob ein journalistischer Beitrag print oder online veröffentlicht wird. Aber die Zunahme von Beschwerden, unter anderem zu Leserkommentaren und Online-Archiven, zeigt, dass wir die Publizistischen Grundsätze an einigen Stellen ergänzen sollten, um den digitalen Veröffentlichungsformen besser gerecht zu werden.“

Seit dem vergangenen Jahr haben sich auch mehrere reine Internetzeitungen dem Presserat angeschlossen und die Selbstverpflichtungserklärung für die publizistischen Grundsätze unterschrieben, so die Meldung weiter. Bislang habe sich der Presserat nur mit Beschwerden über solche Online-Medien befasst, zu denen es ein Print-Äquivalent gab

Mehr Rügen

Insgesamt hat der Deutsche Presserat 2013 31 Rügen ausgesprochen, 2012 waren es nur 22 Rügen gewesen, 2011 sogar nur 20. Allerdings wurde nicht die Zahl des Beschwerderekordjahres 2010 erreicht, als der Presserat 41 Rügen ausgesprochen hatte. Im Detail sprach der Presserat 2013 28 öffentliche Rügen, 3 nicht-öffentliche Rügen und 51 Missbilligungen aus.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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