Presserecht

Hochschul-Professor muss Wikipedia-Eintrag dulden

Nicht jede Person ist hocherfreut, wenn sie im Internet erwähnt wird. Vor allem dann nicht, wenn persönliche Daten veröffentlicht werden. Dies ging kürzlich einem Professor so, über den ein Wikipedia-Eintrag verfasst wurde. Dieser enthielt Dinge wie Lebenslauf und frühere Mitgliedschaften in katholischen Studentenverbindungen, aber auch seine getätigten Veröffentlichungen.

©liveostockimages-Fotolia

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Viele wären vermutlich stolz – nicht der Professor, der die Löschung des Eintrags begehrte, da er sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlte. Als dies nicht funktionierte, griff er zum letzten Mittel: Sodann musste sich das Landgericht Tübingen (Az. 7 O 525/10) mit dem Fall beschäftigen.

 

Das schwäbische Gericht verneinte einen Löschungs-Anspruch.

 

Es betonte, dass in solchen Fragen eine umfassende Interessensgüterabwägung stattfinden müsse. Zum einen ist immer das Persönlichkeitsrecht der betreffenden Person zu berücksichtigen, auf der anderen Seite das Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Letzteres überwiegt in der Regel vor allem dann, wenn es sich um in der Öffentlichkeit bekannte Personen handelt.

 

Zudem kommt es auch immer auf die Eingriffsintensität an. Handelt es sich um publizierte Informationen, die die Person nur geringfügig beeinträchtigen, dann ist meist von einem Veröffentlichungsinteresse auszugehen. Insbesondere also bei Tatsachen, die auch auf anderem Wege bekannt gemacht werden kann.

 

Anders sieht es dagegen oft bei privaten Informationen wie Familienstand oder Wohnort aus. Hierüber darf ohne Zustimmung der Person höchstens bei Prominenten berichtet werden. Im konkreten Fall fiel die Interessensgüterabwägung gegen den Professor aus, da die Publikationen nur seine Sozialsphäre betrafen. Wikipedia kommt somit die Pressefreiheit zugute.
 
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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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