Presserecht

Dumping-Lohn: Bonner GA muss Honorar nachzahlen

Freie Journalisten erhalten oftmals zu niedrige Löhne. Nun hat das Landgericht Köln  geurteilt, dass der Bonner General-Anzeiger zwei freien Journalisten  Honorar nachzahlen muss.

Die beiden freien Journalisten hatten mit Unterstützung des DJV-NRW gegen die niedrigen Honorare geklagt. Die Zeitung muss nun für die Jahre 2008 bis 2011 fast 50.000 Euro Honorar nachzahlen. Nach Ansicht des Gerichts sind die seit 2010 geltenden Gemeinsamen Vergütungsregeln an Tageszeitungen eine geeignete Grundlage zur Ermittlung angemessener Honorare, so die Meldung des DJV-NRW.

© svort Fotolia

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„Unangemessen niedrig“

In einem Fall verurteilte die 28. Kammer des Landgerichts Köln den Verlag des General-Anzeigers, die Bonner Zeitungsdruckerei und Verlagsanstalt H. Neusser GmbH, zu einer Honorar-Nachzahlung von knapp 10.600 Euro plus Zinsen (AZ 28 O 695/11). Der Journalist hatte für seine mehr als 400 Beiträge im Zeitraum von März 2009 bis Januar 2011 lediglich 25 Cent pro Zeile erhalten – „unangemessen niedrig“, so das Urteil des Gerichts. Angemessen sei ein Honorar von 56 Cent pro Zeile, so das Gericht. Zudem müsse der Verlag Fahrkosten erstatten und Auskunft darüber geben, welche Beiträge Datenbank zum Download angeboten wurden und welche Einnahmen damit erzielt wurden, so die Meldung des DJV-NRW weiter.

Text und Bild

Im zweiten Fall ging es sowohl um Textbeiträge als auch um Fotografien. Der Journalist hatte zwischen 2008 und 2009 für den Bonner General-Anzeiger Texte für 21 Cent pro Zeile geschrieben, seine Bilder wurden mit 20,45 Euro pro Bild honoriert. Das Landgericht Köln fand auch diese Entlohnung als „unangemessen niedrig“ und verwies auf 56 Cent pro Zeile und 48 Euro pro Bild. Der Bonner General-Anzeiger muss nun den Differenzbetrag von 38.400 Euro plus Zinsen nachzahlen.

DJV-NRW: Grandioser Sieg

Der Landesvorsitzende des DJV-NRW, Frank Stach: „Dass uns jetzt das Landgericht Köln Recht gibt und diesem Verlag die Unangemessenheit seiner Honorare bescheinigt, ist für uns ein grandioser Sieg“, sagt der Landesvorsitzende des DJV-NRW, Frank Stach.

Die Urteile haben noch keine Rechtsgültigkeit. Der Verlag kann noch Berufung gegen die Entscheidungen einlegen. Ob das Urteil Auswirkungen auf die Journalisten-Tarifverhandlungen hat, wird sich noch zeigen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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