Presserecht

DJV kritisiert Leserreporter-Aktion der Bild-Zeitung

Die Bild-Zeitung setzt schon seit einiger Zeit auf die Wachsamkeit ihrer Leser: In der Rubrik „1414 Leserreporter“ veröffentlicht das Blatt Schnappschüsse ihrer Leser. Jetzt hat das Blatt die Kampagne ausgeweitet und damit erneut Kritik vom Deutschen Journalisten-Verband geerntet.

Unter dem Motto „BILD sucht dein schönstes Handy-Foto“ setzt die Zeitung vermehrt auf die Interaktion mit dem Leser –zum Nachteil der freien Bildjournalisten, so die Meldung des DJV.

© svort Fotolia

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Zweifelhafte Werbeaktion

Für die Aktion wirbt man mit möglichen Gewinnen von bis zu 10.000 Euro, generell wird eine bundesweite Veröffentlichung der Bilder in der Bild-Zeitung mit 250 Euro entlohnt. Ein Affront für die hauptberuflichen Fotografen. „Von solchen Honoraren können die hauptberuflich tätigen Bildjournalisten nur träumen“, so der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken laut einer Meldung des DJV. „Anstatt deren Honorare anzuheben, pumpt Springer Geld in eine zweifelhafte Werbeaktion.“

Schnappschuss ist kein Journalismus

Vor allem betonte Konken, dass trotz aller technischer Fortschritte bei den Handy- und Digitalkameras ein Schnappschuss nicht mit den Bildern professioneller Journalisten mithalten könne. „Ein Schnappschuss ist noch kein Journalismus“, sagte Konken.

Ein Bildjournalist erkenne die Geschichte hinter dem Bild und versuche diese möglichst differenziert in seinem Foto abzubilden, so die Meldung des DJV weiter. „Eine Zeitung, die glaubt, darauf verzichten zu können, sägt sich den Ast ab, auf dem sie sitzt“, so das Fazit von Konken.

Die Bildrechte überträgt der Urheber übrigens an Bild. So heißt es in den Allgemeinen Informationen:

Wer ein Video oder Foto an BILD.de schickt bzw. hoch lädt erklärt, sämtliche Rechte hieran zu besitzen und überträgt BILD.de alle Rechte zur Veröffentlichung in allen Medien, insbesondere zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterveräußerung. Die Veröffentlichung von Fotos auf BILD.de und in der Beilage von BILD.de und AUTOBILD.de ist honorarfrei.

Im Fall der Veröffentlichung des Fotos in der BILD-Zeitung überträgt der Urheber sämtliche Rechte an die Axel Springer AG zur Veröffentlichung in allen Medien, zur Bearbeitung, Archivierung und Weiterveräußerung. In diesem Fall erhält der Urheber von der Axel Springer AG 50% der erzielten Nettoverkaufserlöse.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Flu sagt:

    So eine Aktion wird also gleich wieder als Affront gegen hauptberufliche Fotografen ausgelegt. Einfach nur lächerlich. Denn wie ja schon richtig ausgeführt wurde, handelt es sich dabei einfach nur um zufällige Schnappschüsse und nicht um Journalismus. Es ist doch völlig absurd zu behaupten, daß die Zeitung nun glaubt, dadurch auf einen Journalisten verzichten zu können. Dieses Denken ist ja schon paranoid. Es grenzt schon deshalb an Wahnvorstellungen, da die Bild-Zeitung nur ein einziges Leserfoto veröffentlicht, dieses außerdem so kennzeichnet ist und die Zeitung demzufolge nicht nur aus Schnappschüssen besteht. Was sind denn das für absurde Vorwürfe? Da müssen einige Journalisten ja schon innerlich richtig zerfressen sein, wenn man so einen Quatsch behauptet und sich außerdem noch selber widerspricht. Also erst von unprofessionellen Schnappschüssen reden, die dann aber zugleich professionellen Journalismus ersetzen sollen. Völliger Irrsinn. Denn wie auch schon richtig erkannt wurde, handelt es sich dabei um eine Werbeaktion mit Gewinnchancen. Und von Gewinnen kann demzufolge niemand leben. Also kann man auch das Argument vergessen, daß Journalisten von so einer Prämie nur träumen können. Denn viele andere werden davon auch nur träumen können, da es sicherlich für jeden nur eine einmalige Aktion ist. Das sind mal wieder nur größenwahnsinnige Unterstellungen.

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