Presserecht

Deutscher Presserat spricht vier Rügen aus

Der Deutsche Presserat hat vier öffentliche Rügen wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex ausgesprochen.

Eine Rüge hat der Beschwerdeausschuss 1 gegen die Onlinezeitung Welt.de ausgesprochen. Der Internetauftritt der Zeitung hatte über den Suizid einer weitgehend unbekannten Nachwuchssportlerin berichtet. Im Zuge des Falls waren zwei Artikel veröffentlicht worden, die ausführlich über persönliche Details wie der psychischen Erkrankung der Sportlerin, einen selbst verschuldeten Autounfall und ihre Beziehung zu ihrem Freund berichteten.

© svort Fotolia

© svort Fotolia

Eingriff in Privatsphäre

Damit habe Welt.de tiefgreifend in die Privatsphäre der jungen Sportlerin eingegriffen, so die Meldung des Presserates. Darüber hinaus hatte die Zeitung über die Eltern-Tochter-Beziehung spekuliert und somit indirekt Schuldzuweisungen für den Suizid in den Raum gestellt, so die Meldung weiter. Dies sei ein schwerer Verstoß gegen Ziffer 8 (Schutz der Persönlichkeit) des Pressekodex und insbesondere die Richtlinie 8.7 (Selbsttötung), nach der die Berichterstattung bei Suiziden Zurückhaltung gebietet, so die Meldung des Deutschen Presserates.

Identifizierende Berichterstattung

Ebenfalls gerügt wurde Bild Online. Der Online-Auftritt der Tageszeitung hatte über den Mord an einem zwölfjährigen Mädchen berichtet und den Artikel mit einem Foto des Opfers bebildert. Laut Pressekodex genießen Opfer von Verbrechen besonderen Schutz (Richtlinie 8.2), über sie soll in der Regel nicht identifizierend berichtet werden. Die Redaktion argumentierte, dass die Familie in der Lokalzeitung eine Todesanzeige mit Bild veröffentlicht habe.

Dies sei aus Sicht des Beschwerdeausschusses nicht zulässig, da die Veröffentlichung eines Bildes in einem anderen Medium, die sich an einen kleineren Personenkreis richtet, nicht auf eine grundsätzliche Einwilligung zu einer identifizierenden Abbildung schließen lasse, heißt es in der Meldung weiter. Zudem sei in der Todesanzeige nicht auf ein Gewaltverbrechen hingewiesen worden, erst Bild.de habe diesen Zusammenhang hergestellt. Die Tatsache, dass das Bild des Mädchens neben dem Foto des Mörders veröffentlicht wurde, sei eine zusätzliche Verletzung der Gefühle der Angehörigen, so der Presserat.




Zeitung verdächtigt Unschuldigen

Bild.de erhielt zudem eine weitere Rüge. Der Online-Auftritt sowie die Printausgabe der Zeitung wurden wegen der Berichterstattung über ein Tötungsdelikt in einem Eifeldorf gerügt. Unter der Überschrift „Patensohn schlägt liebe Oma (†61) tot“ habe die Redaktion identifizierend und vorverurteilend über einen Tatverdächtigen berichtet, der sich allerdings wenig später als unschuldig erwies. Über den Tatverdächtigen sei aber mit Vornamen und abgekürztem Nachnamen, sowie persönlichen Lebensdetails berichtet worden, das Foto sei nicht ausreichend unkenntlich gemacht worden. Laut Richtlinie 13.1 (Vorverurteilung) des Pressekodex ist in der Sprache der Berichterstattung zwischen Verdacht und erwiesener Schuld deutlich zu unterscheiden. Dies sei in dem Artikel missachtet worden, so die Meldung des Deutschen Presserates weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×