Presserecht

Amoklauf und Terror: Presserat rügt Berichterstattungen

Der Deutsche Presserat hat Berichterstattungen über den Amoklauf in München gerügt. Ebenfalls gerügt wurden weitere Berichterstattungen über Terroranschläge.

Insgesamt hat der Presserat drei öffentliche Rügen wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex ausgesprochen.

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Presserat spricht Rügen aus © svort Fotolia

Amoklauf in München

Ein wesentliches Thema war die Berichterstattung über den Amoklauf in München. Dem Presserat lagen Beschwerden gegen Print- und Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften vor. Diese bezogen sich auf die identifizierbare Darstellung des Täters und von Opfern.

Rüge für Bild am Sonntag

Eine Rüge erhielt Bild am Sonntag für die Berichterstattung „Wurden sie in den Tod gelockt?“ Zu sehen war eine Bildergalerie mit Porträtfotos von Opfern. Eine weitere Rüge erhielt BILD Online für den Beitrag „Das sind die Opfer des Amoklaufs“, der ebenfalls Opferbilder enthielt.

Verstoß gegen Opferschutz

Von daher kritisierte der Ausschuss, dass beide Veröffentlichungen Fotos zeigten, die ohne Einwilligung der Hinterbliebenen veröffentlicht worden waren, so die Meldung des Presserates. Einige Opfer waren minderjährig. Es handelt sich um einen schwerwiegenden Verstoß gegen Richtlinie 8.2. des Pressekodex. Demnach ist die Identität von Opfern besonders zu schützen. Hinterbliebene sollen so nicht unvermittelt mit Fotos ihrer toten Angehörigen konfrontiert werden. „Nicht alles, was in sozialen Netzwerken verfügbar ist, darf auch ohne Einschränkung veröffentlicht werden. Die eigene Darstellung, z. B. in einem Facebook-Profil, bedeutet nicht zwingend eine Medienöffentlichkeit“, betonte die Vorsitzende des Ausschusses 2, Katrin Saft.

Täteridentifizierung presseethisch akzeptabel

Zulässig hingegen sei die Darstellung des Täters mit Name und Foto gewesen. Da der Amoklauf ein großes öffentliches Interesse geweckt habe, sei das öffentliche Interesse am Täter höher zu bewerten als der Schutz der Persönlichkeit. Von daher sei die Darstellung presseethisch akzeptabel gewesen, so die Meldung weiter.

Attacke in Würzburg

Selbiges gelte auch für die Berichterstattung über die Attacke in einem Regionalzug in Würzburg. Auch hier wurden identifizierende Angaben zum Täter gemacht. Auch hier befand der Presserat die Darstellung mit Name und Foto aufgrund des großen öffentlichen Interesses an der Tat als zulässig.

Terror am Flughafen Istanbul

Zudem lagen Beschwerden gegen die Berichterstattung über den Terroranschlag am Flughafen in Istanbul vor. Die Fotos, die die Gesamtszenerie am Flughafen zeigten und auf denen auch Leichen aus der Distanz zu sehen war, seien presseethisch zulässig gewesen. Diese Bilder seien Dokumente der schrecklichen Realität ohne die Grenze zur Sensationsberichterstattung zu überschreiten, urteilte der Ausschuss.

Missbilligt wurde jedoch die Online-Ausgabe einer Zeitung. Hier waren zwei Aufnahmen zu sehen, auf denen verletzte Kinder identifizierbar und in Nahaufnahme zu sehen waren. Diese Fotos missachten den Opferschutz, so die Meldung weiter.

Terror in Nizza – Augenzeugen-Video noch akzeptabel

Ebenso wurden bei den Berichterstattungen über die LKW-Attacke an der Promenade in Nizza Fotos, die aus der Distanz aufgenommen wurden, als zulässig bewertet. Zwar seien Leichen auf dem Asphalt zu sehen, aber auch hier sei die Grenze zur Sensationsberichterstattung nicht überschritten worden, so die Meldung weiter. Ein Augenzeugen-Video mit Szenen des Unfallhergangs beurteilte der Ausschuss als noch akzeptabel. Es handele sich zwar um schockierende Eindrücke, Menschen würden jedoch nicht zum Objekt herabgewürdigt oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden, so der Ausschuss. Das Video erschien in der Online-Ausgabe einer Tageszeitung.

Sensationelle Darstellung von Gewalt – Video von Messerattacke gerügt

Des weiteren erhielt Bild Online eine öffentliche Rüge. Die Online-Zeitung hatte ein Video einer Messer-Attacke in einem Dortmunder Kaufhaus veröffentlicht. Darin sah der Presserat ein Verstoß gegen Ziffer 11 des Pressekodex. Zu sehen war in dem Handymitschnitt eines Passanten wie das Opfer mit einem Messer im Rücken blutend auf dem Boden liegt. Danach wurde diese Passage mehrfach wiederholt. Im Hintergrund sind die Schreie einer Frau zu hören. Die Berichterstattung hält der Beschwerdeausschuss für eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, so die Meldung weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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