Persönlichkeitsrecht

WDR-Drama über Odenwaldschule darf weiter gesendet werden

 

Das TV-Drama über die Odenwaldschule darf weiterhin gesendet werden, so das Urteil des Landgerichts Hamburg.

Das LG Hamburg hat somit die Klage eines ehemaligen Schülers der Odenwaldschule gegen das WDR/ARD Degeto-Missbrauchsdrama „Die Auserwählten“ abgewiesen. Nach Ansicht des Gerichts habe keine schadensersatzbegründende Verletzung von Persönlichkeitsrechten vorgelegen, heißt es in der Pressemeldung des WDR.

© Martin Schumann - Fotolia.com

Odenwald-Drama darf weiter gezeigt werden© Martin Schumann – Fotolia.com

Exemplarische Aufarbeitung

Der Film „Die Auserwählten“, der den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule zum Thema hatte, wurde am 1. Oktober 2014 um 20.15 Uhr im Ersten gesendet. Vor Beginn des Films wies eine Texttafel darauf hin, dass der Spielfilm kein persönliches Einzelschicksal erzähle, sondern den Missbrauch von mindestens 132 Kindern durch den damaligen Schulleiter und anderer Lehrer exemplarisch in seinen grundlegenden Mechanismen darstelle.

Verletzung von Persönlichkeitsrechten?

Zwei ehemalige Odenwaldschüler glaubten jedoch ihre persönliche Geschichte in den Filmcharakteren wiederzuerkennen und klagten auf Schadensersatz wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte, so die Meldung weiter.

Klage abgewiesen

Das LG Hamburg wies nun die Klage eines Ex-Schülers inklusive der Schadensersatzforderungen ab. Ein weiterer Kläger zeigte sich nachfolgend mit einer Ergänzung der Texttafel einverstanden, dass es sich bei einer der Filmfiguren nicht um seine Person handelt.

Urteil hat „branchenweite Bedeutung“

Produzent Hans-Hinrich Koch zeigte sich erfreut über das Urteil, da es „auch branchenweite Bedeutung für künftige Verfilmungen von zeitgeschichtlichen Stoffen und deren authentische Umsetzung “ habe. Man habe in dem Verfahren auch die Kunstfreiheit von Filmemachern verteidigt.

Der verantwortliche WDR-Redakteur Götz Schmedes ergänzte. „Wir wollen mit dem Film vor allem den Betroffenen des Missbrauchs Gehör verschaffen. Auf eine von den Klägern behauptete äußerliche Ähnlichkeit mit realen Personen kam es uns im Film jedoch nicht an. Dies konnten wir mit Verweis auf über 130 fast deckungsgleich stattgefundene Missbrauchsschicksale auch deutlich belegen. Viele Experten aus dem Bereich der Missbrauchsprävention sehen die besondere Stärke des Films gerade darin, dass er über den Einzelfall hinaus die Mechanismen von institutionellem Missbrauch aufzeigt.“

Künftig soll der Film nun in der Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Schulen, Vereinen und anderen Einrichtungen zum Einsatz kommen, so die Meldung weiter.

 

Quelle: Pressemitteilung des WDR vom 03.06.2016

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×