Persönlichkeitsrecht

″Verpiss dich, du Opfer !″ Cybermobbing unter Jugendlichen

Meist beginnt es für die betroffenen Schüler bereits morgens in der Schule. Mitschüler und Mitschülerinnen beginnen ihre alltäglichen Diffamierungen, Hänseleien und Erniedrigungen zumeist vor Schulbeginn, während der Stunden und besonders in den Pausen an den Gemobbten auszuleben. Ein Entkommen ist für die Betroffenen kaum möglich.

Auch ein oftmals unabwendbarer Schulwechsel ist häufig nicht die Lösung und trägt beileibe nicht immer zur Abwendung des Problems bei. Vernetzung der Schüler auch zu benachbarten Schulen im Umkreis zeigen oftmals, dass Probleme durch einen Schulwechsel häufig nicht aus der Welt geschafft werden können.

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Bildnachweis: Hacker | altemark | CC BY 2.0

Cybermobbing ist heute für keinen Schüler mehr ein Fremdwort

Ein großes Problem ist zudem in den letzten Jahren immens gestiegen.
Schüler, die Opfer von Mobbing wurden, können sich selbst nach Schulschluss heutzutage den Boshaftigkeiten und Beleidigungen nicht mehr gänzlich entziehen. Man zieht die Türe hinter sich zu und die Pein beginnt nun im Internet. Cybermobbing ist heute für keinen Schüler mehr ein Fremdwort. Fällt es manch einem noch schwer, von Angesicht zu Angesicht Mitschüler zu mobben, fallen die Hemmungen spätestens im Netz. In den Sozialen Netzwerken ist Mobbing Alltag. Der häufige Rat der Schulen, sich in den besagten Netzwerken abzumelden, kommt für viele Jugendliche einem virtuellen Selbstmord gleich.

Kommunikation der Heranwachsenden oftmals ausschließlich über Facebook

Laut der JIM ( Jugend, Information, Multi-Media)-Studie des medien- pädagogischen Forschungsverbunds Südwest nutzen 89% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen regelmäßig das Internet. In der Umfrage empfanden neun von zehn die Internetnutzung als elementar wichtigen Bestandteil ihres Lebens. Die Bedeutung eines Ausschlusses aus dieser Vernetzung kann von manch einem Erwachsenen kaum nachvollzogen werden. Nachmittags und abends findet über Plattformen wie beispielsweise Facebook die Kommunikation der Heranwachsenden oftmals ausschließlich statt. Wer nicht Teil dessen ist, grenzt sich weiter ab. Dies belegt die Studie. Danach sind Soziale Netzwerke mittlerweile omnipräsent und Facebook ist fast so etwas wie das Synonym für Online-Communities geworden.

Dies ist für Jugendliche mit Abstand die meistgenutzte Kommunikationsform im Netz. Vier von fünf der Befragten nutzen diese Plattform täglich und von diesen wiederum 2/3 sogar mehrfach am Tag. Die Netzwerke haben eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen integriert. Sie sind Steckbrief, Fotoalbum, Pinnwand, Poesie-album, Adressbuch, Chat, Forum und Nachrichtenzentrale in einem, wobei 3/4 der Befragten die Chat-Funktion am häufigsten verwenden. Im Schnitt haben jüngere Nutzer 206 sogenannte ″Freunde″. All dies belegt frappierend den Stellenwert einzelner Plattformen für junge Menschen im Internet. Ein Ausschluss erscheint hiernach als kaum geeignete Lösung, da man lediglich die Betroffenen weiter benachteiligen und isolieren würde.

Beratungs -und Anlaufstellen für Cybermobbing

Bei den Beratungs -und Anlaufstellen, wie beispielsweise der Mobbingzentrale, hat man beinahe ausschließlich mit Cybermobbing über Facebook zu tun. Das Unternehmen gehe oftmals jedoch achtlos mit diesem Thema um. Beleidigende und herablassende Beiträge können demnach zwar gemeldet werden, sogar wenn sich das Cybermobbing nicht gegen einen selbst, sondern gegen einen Freund richtet, jedoch dauere es häufig sehr lange, bis gegen den beanstandeten Beitrag vorgegangen und dieser herausgenommen wird. Hiergegen wehrt sich Facebook vehement und sagt, dass gerade beim Thema Mobbing häufig schon nach Stunden gehandelt und der Beitrag herausgenommen werde. Inhalte, die gegen Facebook-Regeln verstoßen, würden vom Unternehmen zeitnah geblockt oder gar gelöscht. Die Beratungsstellen raten den Betroffenen, nicht alleine die diffamierenden Beiträge anzuzeigen, sondern möglichst viele Plattform-Freunde zu ermutigen, dies auch zu tun, denn dies erhöhe eindeutig die Chance Gehör zu finden.

Mobbing als Straftatbestand?

Mobbing ist zwar kein Straftatbestand, jedoch sind es Beleidigung, Nötigung, Bedrohung und üble Nachrede sehr wohl. Wenn jemand jedoch unter einem Pseudonym postet und nicht unter seinem richtigen Namen, wird dazu geraten, Eltern und Lehrer einzuschalten. Dies sollte man so oder so schnell und rechtzeitig tun, denn die Erfahrung zeigt, dass durch diesen Druck Täter häufig einknicken.
Das letzte Wort ist hier längst noch nicht gesprochen und es bleibt leider zunächst abzuwarten, wie dieses problematische Thema sich weiterentwickelt. Sich fügen und sich den Tätern beugen sollte man  jedoch in keinem Fall. Denn Mobbing kann schnell zu psychischen Störungen bei den Opfern führen.

Pychische Störungen durch Cybermobbing-rechtzeitiges Vorgehen als Vorbeugung

Anzeichen dafür sind, wenn das Kind nicht mehr zur Schule gehen will und wenn die Gefahr droht, dass der Heranwachsende sich selbst oder anderen etwas antun könnte. Hauptziel einer dann unausweichlichen Behandlung ist es, den betroffenen Kindern oder Jugendlichen wieder ein soziales Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen, um sie aus der Isolation herauszubringen. Und dennoch können Langzeitschäden nicht ausgeschlossen werden. Durchlebte Beschämung prägt sich ein und hält lange an, sodass das Selbstwertgefühl für einen längeren Zeitraum stark beschädigt sein kann. Ein rechtzeitiges Vorgehen und die Einschaltung von Eltern, Lehrern und Polizei kann hier oftmals eine mögliche Eskalation frühzeitig eindämmen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. DJKaito [Mobile] sagt:

    Viele kennen zwar das Wort Mobbing aber sie sagen wenn mal nur eine Beleidigung ausgesprochen wird: Ey mob mich nich.

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