Persönlichkeitsrecht

Uli Stein – Ex-Nationaltorwart muss Abbildung auf Sammelkarte dulden

Der ehemalige Nationaltorhüter Uli Stein wollte sein Konterfei nicht mehr auf den Sammelkarten des Kasseler Agon Sportverlags sehen, muss nun aber mit den Sammelkarten leben. Denn das OLG Frankfurt am Main bestätigte per Urteil, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht eines ehemaligen Fußball-Nationalspielers an seinen zeitgeschichtlichen Bildnissen hinter das presserechtliche Publikationsinteresse eines Sportverlags an deren Verwendung zurücktritt.

Ex-Nationaltorwart Uli Stein – Von Pulv – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Der Kläger, Uli Stein, ist ein bekannter ehemaliger Torwart der auch einige Spiele in der deutschen Nationalmannschaft absolvierte. Er spielte von 1983 bis 1986 sechs Mal im Nationaltrikot als Torwart für den Deutschen Fußball Bund (DFB). Heute ist er Markenbotschafter des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Die Beklagte betreibt den Kasseler Agon Sportverlag. Sie produziert eine auf Vollständigkeit angelegte Serie über alle deutschen Fußball-Nationalspieler seit 1908, die aus einzelnen großflächigen Plastikkarten besteht. Auf der Vorderseite dieser Karten wird der jeweilige Fußball-Nationalspieler abgebildet, auf der Rückseite finden sich Informationen und weitere kleinformatige Fotos. Die Karten können gezielt einzeln zusammengestellt und gekauft werden.

Die Karte Uli Steins enthält sein Portrait im Trikot der Nationalmannschaft des DFB, seinen Namen und seine Länderspielbilanz. Auf der Rückseite finden sich Angaben zu seiner fußballerischen Laufbahn und weitere spielbezogene Fotos. Stein erteilte dem Agon Sportverlag keine Einwilligung zur Nutzung seines Bildnisses und wendet sich gegen die kommerzielle Verwendung.

OLG Frankfurt bestätigt Vorinstanz – Sammelkarten-Verbreitung auch ohne Einwilligung rechtmäßig

Das Landgericht (LG) Frankfurt hatte die Klage abgewiesen (Urteil vom 28.10.2016, Az. 8 O 2299/15). Die hiergegen gerichtete Berufung hatte nun auch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main keinen Erfolg (Urteil vom 7.8.2018, Az. 11 U 156/16). Das LG sei zutreffend davon ausgegangen, dass die Fotos auch ohne Einwilligung des Klägers verbreitet werden dürften, da es sich um „Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte“ handele und die Veröffentlichung auch keine berechtigten Interessen Uli Steins verletze.

Bereits bei der Beurteilung, ob ein Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte vorliege, sei eine Abwägung zwischen dem Grundrecht der Pressefreiheit auf Seiten des Sportverlags und dem Persönlichkeitsrecht des Steins vorzunehmen. Die Sammelkarten stellten presserechtliche Druckerzeugnisse dar. Sie seien insbesondere mit „ausreichenden textlichen Informationen“ versehen, um sich zur Teilnahme am öffentlichen Kommunikationsprozess zu eignen. Der Umstand, dass es sich bei den Karten um ein kommerzielles Produkt handele, stehe im Hinblick auf den Informationsgehalt der Karten dem grundrechtlichen Schutz nicht entgegen. Zudem dienten die meisten Presseerzeugnisse jedenfalls auch der Generierung von Einnahmen. Auch dass die Informationen anderweitig im Internet ebenfalls recherchierbar wären, sei unerheblich. Die Pressefreiheit beschränke sich nicht auf „Erstveröffentlichungen“. Ein bei den Erwerbern möglicherweise vorhandenes Sammlerinteresse führe ebenfalls nicht zu einer anderen Bewertung. Vielmehr könne auch ein „Sammlerobjekt“ Träger von Informationen über Ereignisse der Zeitgeschichte sein.

Persönlichkeitsrecht tritt hinter Publikationsinteresse zurück

Da der ehemalige Nationaltorwart Stein ausschließlich in dem Kontext gezeigt werde, in dem er seine zeitgeschichtliche Bedeutung erlangt habe, nämlich als Torwart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, trete sein Persönlichkeitsrecht hinter das im Interesse der Öffentlichkeit bestehende Publikationsinteresse des Beklagten Sportverlags Aragon zurück.

Das Urteil ist rechtskräftig.

tsp


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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