Persönlichkeitsrecht

Nach dem Artikel zur vermeintlichen Brust-OP – Schauspielerin Thomalla will 20.000 Euro

Update 01.08.2014: Das OLG München hat eine Persönlichkeitsrechtsverletzung zwar bejaht, aber den Entschädigungsanspruch abgelehnt. Das Gericht sah in der Berichterstattung von Closer nur eine “fahrlässige Grenzüberschreitung”. Lediglich die Anwaltskosten in Höhe von 500 Euro muss das Klatschmagazin übernehmen. (Update Ende).

 

Am Dienstag wird das Oberlandesgericht München über den möglichen Entschädigungsanspruch der Schauspielerin Simone Thomalla entscheiden. Im Dezember 2012 erschien die Tatort-Kommissarin auf dem Titelblatt des Magazins Closer. Es wurde Ihr auf Grund einer Narbe unterstellt, sich einer heimlichen Brust-OP unterzogen zu haben. Es stellte sich allerdings heraus, dass diese Narbe schon sieben Jahre alt war und nicht durch eine Veränderung des Dekolletés entstanden ist. Seit einem Gerichtsbeschluss darf das Magazin die Formulierung „plötzlich mit großer Narbe im Ausschnitt“ nicht mehr verwenden. Nun verlangt Thomalla von der Zeitung 20.000 Euro Entschädigung. Das Landgericht München hatte einen solchen Anspruch bereits abgelehnt. Nun hängt es von der höheren Instanz ab, ob der Anspruch gewährt wird oder nicht.

Anspruch wird wohl verneint werden

Aus unserer Sicht ist in diesem Fall jedoch keine andere Beurteilung zu erwarten. Der erlittene Schaden ist nach unserer Einschätzung eher als gering anzusehen. Die Schauspielerin stellt sich häufig freiwillig selbst in der Öffentlichkeit dar und hat sich sogar im Jahre 2010 für den Playboy ausgezogen. Ihr Aussehen wurde bewusst in der Öffentlichkeit vermarktet.

Kriterien nach denen eine Entschädigung gezahlt wird

Um einen Entschädigungsanspruch nach einer Persönlichkeitsverletzung durchzusetzen, muss bewiesen werden, dass der Verletze keinerlei Interesse an der Veröffentlichung des Materials hatte. Als schwerwiegende Fälle werden beispielsweise Eingriffe in die Intimsphäre, Schmähkritik oder sich häufig wiederholende Verletzungen angesehen. Bei dem erlittenen Schaden handelt es sich jedoch immer um einen immateriellen Schaden, sodass die Höhe des Schadens nicht einfach zu beweisen ist. Es geht dabei stets um eine Entscheidung im konkreten Einzelfall. Die zu zahlende Summe gleicht im Idealfall die erlittene Beeinträchtigung der Persönlichkeit aus und schafft Genugtuung im Hinblick auf die grundgesetzlich geschützte Persönlichkeitssphäre des Verletzten.

Andere Beurteilung im Kachelmann Prozess

Im direkten Vergleich zum Fall Thomalla ist der Kachelmann-Prozess erwähnenswert. Hier wurde der Wettermoderator beschuldig eine Geliebte vergewaltigt zu haben. Der Schaden der hier durch die falsche Tatsachenbehauptung und die Darstellungen in der Presse entstanden ist, ist viel größer. Eine Entschädigung ist zu erwarten. Insgesamt verlangt Kachelmann jedoch die Zahlung in Höhe von drei Millionen Euro. Ob diese Summe, die als bisher höchste in Deutschland geforderte Geldentschädigung bekannt ist, gerechtfertigt ist, bleibt jedoch abzuwarten.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen im Bereich Internetrecht und IT-Recht. Darüber hinaus ist Rechtsanwalt Solmecke Lehrbeauftragter der FH Köln für Social Media Recht.

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