Persönlichkeitsrecht

Löw vs. Klatschpresse – LG Offenburg bejaht Anspruch des Bundestrainers auf Gegendarstellung

Der Burda-Verlag muss eine Gegendarstellung zu den in der „Freizeit Revue“ veröffentlichten Berichten abdrucken, in denen über das angeblich neue Liebesglück von Joachim Löw berichtet worden war. Das hat nun LG Offenburg entschieden.

Von Steindy (talk) 10:01, 27 June 2011 (UTC) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

In der Mai-Ausgabe dieses Jahres schmückte das Bild des strahlend lächelnden Fußball-Nationaltrainers die Titelseite der Boulevard-Zeitschrift „Freizeit Revue“. In Kombination mit dem im Hintergrund angebrachten Bild der kürzlich verwitweten Schauspielerin Dennenesch Zoudé – anmutig und erwartungsfroh in die Kamera blickend – wird schnell deutlich, in welche Richtung das Ganze geht. Die dazugehörige Schlagzeile „Neues Glück!“ sowie das in Aussicht gestellte Versprechen, alles über die „Beziehung“ der beiden zu erfahren, sind so eindeutig gefasst, dass auch der argwöhnischste Leser geneigt ist, keinen Verdacht zu schöpfen. So weit kann die schöpferische Gestaltungskraft doch nicht reichen? Nicht einmal bei einem der Steckenpferde der Klatschpresse?

Gewagte Assoziationsketten

Weit gefehlt! Im Heftchen selbst findet sich keinerlei Bestätigung für die hochtönenden Schlagzeilen auf der Titelseite. Nicht nur erfährt man rein gar nichts über die konkrete Ausgestaltung dieser ominösen „Beziehung“. Vielmehr wird schnell klar, dass die Erdichtungskünstler der sog. yellow press“ nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür aufzubieten haben, dass hier überhaupt eine Beziehung der implizierten Art vorliegt. Den Ausgangspunkt der wilden Spekulationen bildet vielmehr ein Foto, das ein Paparazzo am Eingang des Berliner Wohnhauses der Schauspielerin aufgenommen hatte. Zu sehen ist darin der Bundestrainer, wie er an einem Vormittag das Haus verlässt. Von den beiden Rollkoffern, die Herr Löw hierbei angeblich dabei gehabt haben soll, fehlt demgegenüber jede Spur. Dass im weiteren Verlauf von „zärtlichsten Umarmungen“ in „unbeobachteten Momenten“ die Rede ist, obwohl auf den in Bezug genommenen Fotos doch nichts dergleichen erkennbar ist, fällt da auch nicht mehr ins Gewicht.

Löw verlangte Gegendarstellung auf der Titelseite

In der Folge machte der Bundestrainer einen Anspruch auf Gegendarstellung geltend. Diese solle sogar auf der Titelseite Platz finden. Der zuständige Richter erließ die begehrte einstweilige Verfügung und verpflichtete den hinter der dem Blatt stehenden Burda-Verlag zur begehrten Gegendarstellung. Gegen diese einstweilige Verfügung ging der Burda-Verlag juristisch vor.

Klatschpressen-Anwalt: Beziehung sei nicht gleich Beziehung

Die Argumentation, derer sich der Burda-Verlag bediente, ist dabei als eher befremdlich einzustufen. So stellte sich der bevollmächtigte Anwalt auf den Standpunkt, dass der Begriff der „Beziehung“ einer Vielzahl von Interpretationen zugänglich sei. So sei ja immerhin nicht zwingend von einer „Liebesbeziehung“ auszugehen. Eine rein freundschaftliche Beziehung des Bundestrainers gegenüber der Schauspielerin läge ja offenkundig vor. Nach allgemeinem Verständnis seien unter dem Begriff der „Beziehung“ nicht nur „sexuell-intime Beziehungen“ zu verstehen

LG Offenburg: Es kommt darauf an, was ein Durchschnittsleser unter Beziehung versteht

Der Richter des Landgerichts (LG) wollte der Argumentation des Burda-Verlags jedoch nicht folgen und bejahte einen Anspruch auf Gegendarstellung (Urt. v. 21.07.2017, Az. 3 0 143/17). Bei der Einordnung der zur Rede stehenden Titelseite sei auf einen „unbefangenen Durchschnittsleser“ abzustellen. Zu fragen sei, was dieser denken würde, wenn er die Titelseite am Kiosk sehe. Nach seiner Ansicht dränge es sich geradezu auf, dass die „Freizeit Revue“ sich hier auf eine partnerschaftliche Beziehung berufe und gerade dieses Verständnis von einer Beziehung beim Leser hervorrufen wollte. Das Blatt müsse sich an dieser von vornherein beabsichtigten Deutung festhalten lassen. Folgerichtig sei dem Bundestrainer also die Möglichkeit einräumen, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass er keine Beziehung mit der abgebildeten Schauspielerin habe.

mko

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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