Persönlichkeitsrecht

Gericht verbietet „Team Wallraff“-Beitrag über Kliniken

RTL darf die für die Sendung „Team Wallraff“ heimlich gefilmten Aufnahmen aus einem Krankenhaus nicht mehr ausstrahlen, so die Entscheidung des Landgerichts Hamburg.

Mit der Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ will RTL Missstände aufdecken, doch scheinbar ist der Privatsender jetzt mit seinem Investigativjournalismus übers Ziel hinausgeschossen: Der im Januar 2016 ausgestrahlte Beitrag „Wenn Krankenhäuser gefährlich werden“ darf nicht mehr ausgestrahlt werden. Das Landgericht Hamburg hat eine entsprechende Unterlassungsverfügung erlassen. Für die Sendung war heimlich Material in den Helios-Kliniken gedreht worden.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Klinik: „Nicht gerechtfertigter Eingriff in Privatsphäre“

Die Klinik zeigte sich erfreut über das Urteil. So heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens: „Wir freuen uns, dass das Gericht mit seiner Entscheidung unserer Auffassung gefolgt ist. Helios hat sich gegen den Beitrag gewehrt, weil das Filmmaterial heimlich gedreht wurde und insgesamt irreführend ist. Die verdeckten Aufnahmen durch eine als Praktikantin getarnte Reporterin in zum Teil sehr intimen Situationen sind ein nicht gerechtfertigter Eingriff in die Privatsphäre unserer Patienten und Mitarbeiter“, so der Vorsitzende der Helios Geschäftsführung, Dr. Francesco De Meo in einer Pressemeldung der Helios-Kliniken

 

Zudem kritisierte die Klinik, dass krankenhaustypische Situationen reißerisch aufbereitet worden seien. Es sei der allgemeine Krankenhausalltag gezeigt worden und keine spezifischen Missstände, so die Kritik weiter.

RTL: „Journalistisch und juristisch einwandfrei verhalten“

RTL hingegen betrachtet das Urteil als falsch. So sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de: „Schon jetzt sei betont, dass wir der festen Überzeugung sind, uns bei der Recherche zu der beanstandeten Sendung journalistisch und juristisch einwandfrei verhalten zu haben. Dazu verweisen wir in Bezug auf die Rechtmäßigkeit von investigativen Undercover-Aufnahmen auf das Wallraff-Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat den Einsatz mit versteckter Kamera bestätigt.“

Mit seinen investigativen Reportagen sorgt das „Team Wallraff“ regelmäßig für Aufruhr. Im vergangenen Jahr erwirkten die Marseille-Kliniken mit einer Einstweiligen Verfügung eine vorübergehende Verbannung eines Beitrags über die Klinikzustände aus RTL-Mediathek. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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