Persönlichkeitsrecht

Auch Abbildungen Unbekannter können Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte sein

Wie das OLG Karlsruhe am 08.10.2014 (Az. 6 U 145/13)  festgestellt hat, haben auch nicht prominente Personen die Veröffentlichung ihrer Bildnisse zu dulden. Mit diesem Urteil des OLG Karlsruhe wurde die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Landgerichts Karlsruhe vom 31.10.2013 (Az. 5 O 464/12) zurückgewiesen.

nbekannter können Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte sein©-Thomas-Jansa-Fotolia

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Fußmodel gesucht

Zunächst hatte der Kläger, ein Lehrer und Hobbyfotograf, im August 2012 auf einer Internetseite ein Inserat mit folgendem Inhalt eingestellt: „Weibliche Amateur-Models gesucht! Nur Mut, auch für Anfängerinnen! (…) Wir sind eine Amateur-Model-Agentur und suchen für Kundenaufträge weibliche Amateur-Models zwischen 14 und 28 Jahren für Fotos wie unser Beispielbild“. Auf eben diesem Beispielbild war eine junge Frau zu erkennen, die bäuchlings auf einem Bett liegt und ihre nackten Füße nach oben streckt.

Auf diese Anzeige wurde ein Journalisten- und Filmteam aufmerksam. Auf Seiten der Beklagten wurde die Gelegenheit ergriffen, im Rahmen eines Filmbeitrags über dubiose Internetangebote mit versteckter Kamera den Kläger bei dem Amateur-Fotoshooting aufzunehmen. Das hierdurch entstandene Videomaterial wurde in einem entsprechenden Filmbeitrag ausgestrahlt, bei dem das Gesicht des Klägers verpixelt und die Stimme nachgesprochen wurde.

Kläger sieht sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt

Der Hobbyfotograf hat darauf hingewiesen, dass es für seinen Bekanntenkreis möglich sei ihn zu identifizieren. Insbesondere am Ehering, seiner Kleidung, seiner Hautfarbe, seiner Sommersprossen und den markanten Körperproportionen sei der Kläger zu erkennen. Ebenfalls verwies der Kläger darauf, er habe mit den Aufnahmen lediglich seine neue Kamera testen wollen.

Berechtigtes Interesse nicht verletzt

Nach Ansicht der Gerichte stellt das umstrittene Filmmaterial Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte im Sinne des § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG dar. Die nach § 23 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Abs. 2 KUG erforderliche Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Klägers und der grundrechtlich gewährten Pressefreiheit ergebe, dass ein berechtigtes Interesse des Klägers nicht verletzt sei. Da die Beklagten im Interesse des Minderjährigenschutzes agierten, dienten die Videoaufzeichnungen dazu, dem Textbeitrag zur Authentizität zu verhelfen. Dieses verfolgte Ziel sei von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse, sodass hier von einem Bildnis aus dem Bereich der Zeitgeschichte auszugehen ist.(THS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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