Medizinrecht

LG Bonn: Zahlungen in Millionenhöhe an ein behindertes Kind

In einer Entscheidung verurteilte das Landgericht Bonn eine Klinik und zwei dort angestellte Ärzte auf Zahlung von Schmerzensgeld und Schadensersatz, nachdem gravierende Behandlungsfehler festgestellt wurden.

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Der klageauslösende Vorfall ereignete sich bereits vor fünf Jahren. Damals wurde der Mutter des heute fünfjährigen  Jungen ein Wehen förderndes Mittel verabreicht, welches zu diesem Zeitpunkt nicht mehr hätte eingesetzt werden dürfen. Dies hätte auch von den behandelnden Ärzten erkannt werden müssen. Infolgedessen verschlechterten sich die Herztöne des ungeborenen Kindes dramatisch. Die Ärzte entschieden sich jedoch erst 30 Minuten später für einen Not-Kaiserschnitt.  Diese Entscheidung weicht von der vorgegebenen Leitlinie der deutschen Ärztekammer ab, die besagt, dass bereits nach 20 Minuten, sofern sich die Herztöne des Kindes nicht mehr stabilisieren, ein solcher durchgeführt werden muss. Das zu späte Handeln der Ärzte hatte in diesem Fall zur Folge, dass das ungeborenen Kind im Mutterleib mit zu wenig Sauerstoff versorgt wurde, sodass nach der Geburt „ irreparable Hirnschäden“ beim Neugeborenen festgestellt wurden, welche eine schwere geistige und körperliche Behinderung zur Folge haben.

Das Landgericht Bonn sah in dem Verhalten der behandelnden Ärzte einen massiven Behandlungsfehler und bejahte in seinem Urteil vom 28.01.2013 (Az. 9 O 266/11) einen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. In dem noch nicht rechtskräftigen Urteil wurden dem Jungen sowohl 400.000 € Schmerzensgeld zugesprochen als auch Schadensersatz für alle Schäden, die ihm im Laufe seines Lebens aufgrund seiner Behinderung entstehen werden. Eine konkrete Summe konnte nicht genannt werden, doch aufgrund der Schwere der Behinderung sind zukünftig Beträge in Millionenhöhe zu erwarten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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