Medizinrecht

Online – Bewertungsportale für Zahnärzte – Ihre steigende Bedeutung in der Praxis | Teil 1

Erster Teil der dreiteiligen Serie zu zahnärztlichen Bewertungsportalen im Internet, ihren Vorteilen sowie den Gefahren und Schutzmöglichkeiten für Zahnärzte aus rechtlicher Sicht

Teil 1: Wie wichtig sind Online-Bewertungsportale für die Zahnarztpraxen heute?

Die stetig ansteigende Anzahl praktizierender Zahnärzte in Deutschland sowie die sich ständig weiterentwickelnden zahnärztlichen Behandlungsmethoden, stellen Patienten vor die schwierige Situation den für ihre individuellen gesundheitlichen Bedürfnisse richtigen Zahnarzt zu finden. Fast genauso relevant wie Empfehlungen durch Bekannte, sind für Arztsuchende inzwischen auch Empfehlungen von fremden Patienten. Daher verwundert es nicht, dass vielfältige Internetdienste angeboten werden, die die Suche nach einem geeigneten Zahnarzt erleichtern sollen.

Praxissuche via WEB 2.0

Die gängigste Methode stellt nach wie vor die Suche über Google bzw. den Google-Maps-Dienst dar, in welchem zahnärztliche Praxen in sogenannten „Places“ angezeigt werden. Dadurch können Patienten schnell die in ihrer Umgebung am nächsten gelegene Zahnarztpraxis ausfindig machen und sich gleichzeitig anhand der dort abgegebenen Patientenbewertungen über die angebotenen Leistungen informieren.

Daneben gibt es aber inzwischen auch zahlreiche allgemeine Arzt- und Gesundheitsbewertungsportale, wie z.B. „weisse-liste.de“, „med.de“ oder „jameda.de“ sowie fachspezifische Bewertungsportale, die inhaltlich speziell auf Zahnärzte zugeschnitten sind. Nennenswert sind hierbei z.B. die Portale „die-endverbraucher.de“ „portal-der-zahnmedizin.de“, „medikompass.de“, „die-zahnarztempfehlung.com“ und „zahnarzt-register.eu“. Wie bei dem Google-Maps-Dienst beginnt auch hier die Arztsuche des Patienten mit der geographischen Lage der Praxis, geht weiter über die gesuchte Spezialisierung und endet bei den abgegebenen Patientenempfehlungen, die oft das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl des Arztes bilden.

Die Abgabe einer Bewertung auf den einschlägigen Portalen erfolgt grundsätzlich anhand eines Fragebogens, den der Bewertende beantworten muss. Dieser besteht meist aus allgemeinen und sehr dehnbaren Begriffen, die ebenfalls zu sehr allgemeinen Ergebnissen hinsichtlich Behandlung und Kompetenz des Arztes, Service sowie Organisation und Ausstattung der Praxis führen und in Form von Schulnoten, Sternen oder anderen Symbolen wiedergegeben werden. Auf einigen Bewertungsportalen ist es möglich die Bewertung zusätzlich mit einem Kommentar zu versehen bzw. eine Empfehlung oder einen Erfahrungsbericht abzugeben.

Patientenwerbung & Kritik

Die Auswirkungen der Patientenbewertungen auf den einschlägigen Portalen sind enorm. Durch ihre breite öffentliche Zugänglichmachung sorgen positive Bewertungen nachweislich für einen stark anwachsenden Patientenstamm. Zugleich werden die Daten aus den Bewertungsportalen auch von Google selbst genutzt. Sucht man beispielsweise nach „Zahnarzt in XY“ oder nach bestimmten Schlagworten, wie z.B. „Zahnimplantate“, werden neben Ergebnissen aus Google Places auch solche aus diversen Bewertungsportalen verwertet. Gleichzeitig schlagen sich die Bewertungen aus bestimmten Bewertungsportalen, wie z.B. Jameda, auch optisch durch gelbe Bewertungssternchen in den Google Suchergebnissen nieder und heben sich dadurch deutlich von den übrigen Suchergebnissen ab.

Bindet man die Patientenbewertungen zugleich auf seiner Praxishomepage ein, vervielfacht sich die Neukundengewinnung in der Regel nochmals und wirkt sich zudem positiv auf das Google-Ranking der bewerteten Praxis aus. Dementsprechend kann es von großer Bedeutung sein, die Anzahl der Patientenbewertungen auch aktiv mit Hilfe externer Dienstleistungsunternehmen zu steigern. Dadurch kann nicht nur das Einholen der Patientenbewertungen, sondern auch deren strategische Platzierung auf Bewertungsportalen und bei Google erleichtert werden.

Gleichwohl gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Denn letztlich sind Patientenbewertungen subjektive Empfindungen medizinischer Laien, die sich kein fundiertes medizinisches Urteil über die Heilbehandlung selbst bilden können. Daher steht bei den Bewertungen weniger die tatsächliche fachliche Kompetenz des Arztes in Rede, sondern vielmehr die persönlichen Umgangsformen und die persönliche Betreuung und Beziehung, die der Zahnarzt zusammen mit seinem Praxisteam gegenüber seinen Patienten pflegt. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass aufgrund subjektiver Empfindungen zugleich die fachliche Kompetenz des Zahnarztes in Frage gestellt wird und sich dies im schlimmsten Fall sogar rufschädigend auswirken kann.

Aber auch aus negativen Bewertungen kann der einzelne Zahnarzt durchaus einen positiven Nutzen ziehen. Denn durch das direkte anonyme Feedback bekommt er die Möglichkeit auf Patientenwünsche und deren Verbesserungsvorschläge hinsichtlich Betreuung und Behandlung zukünftig gezielter eingehen.

Ob sich Zahnärzte gegen negative Patientenbewertungen auf öffentlichen Bewertungsportalen zur Wehr setzen können, wird im zweiten Teil der Serie näher unter die Lupe genommen.

Der zweite Teil folgt nächsten Montag.

Die Serie wurde erstmals in der Zeitschrift „Die Zahnarzt Woche“ (DZW) veröffentlicht: dzw.de

Mehr Infos finden Sie hier:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×