Medizinrecht

Müssen die Kosten einer Hautstraffung nach starker Gewichtsreduktion von der Krankenkasse übernommen werden?

Mit dieser Frage musste sich das Sozialgericht Aachen in seinem Urteil vom 18.12.2012 (Az.: S 13 KR 269/12) auseinandersetzen. Im Ergebnis lehnte es einen Anspruch der Patientin auf Krankenbehandlung durch ihre Krankenkasse nach § 27 Abs. 1 Satz 1 SGB V und damit eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse ab.

©-Thomas-Jansa-Fotolia

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Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die betroffene Patientin hatte sich zuvor, aufgrund ihres starken Übergewichtes, einer gewichtsreduzierenden operativen Maßnahme unterzogen und nahm so erfolgreich stark an Gewicht ab. Folge jedoch war eine sogenannte „Fettschürzenbildung“ am Körper. Da das Bindegewebe bei der starken Gewichtsabnahme nicht mithalten konnte, blieb an der Bauchzone ein schlaffer und mit Fett gefüllter Hautlappen „übrig“, der in den meisten Fällen nur durch operative Hautstraffungen zu entfernen ist.

Daher stellte die Patientin bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der anfallenden Kosten für eine entsprechende Operation. Die Krankenkasse lehnte diesen Antrag jedoch ab. Nach erfolglos eingelegtem Widerspruch entschied nun das Sozialgericht Aachen zugunsten der Krankenkasse und wies die Klage als unbegründet zurück.

 

Entsprechend den Vorgaben des § 27 Abs. 1 Satz 1 SGB V, haben Versicherte Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern. Folglich müsste es sich bei der Fettschürzenbildung um eine Krankheit im Rechtssinne handeln. Diese wird mit einem „regelwidrigen, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand umschrieben, der ärztlicher Behandlung bedarf oder den Betroffenen arbeitsunfähig macht.“

 

In seinem Urteil entschied das Sozialgericht Aachen, dass die Fettschürze selbst keine behandlungsbedürftige Erkrankung darstelle. Zwar sei mit der Bildung einer Fettschürze eine körperliche Unregelmäßigkeit gegeben. Eine für die krankenversicherungsrechtliche Leistungspflicht maßgebende Krankheit liege jedoch nur dann vor, wenn die Versicherte durch die Unregelmäßigkeiten in ihren Körperfunktionen beeinträchtigt wird oder wenn die anatomische Abweichung entstellend wirkt.

Nach Ansicht des Sozialgerichts Aachen beeinträchtigt die Fettschürze jedoch weder die Körperfunktionen, noch ist sie in dem Maße entstellend, „dass sie sich schon bei flüchtiger Begegnung in alltäglichen Situationen quasi „im Vorbeigehen“ bemerkbar macht und regelmäßig zur Fixierung des Interesses anderer auf den Betroffenen führt“. Denn mit entsprechender Kleidung könne die Bauchhautfalte kaschiert werden.

Im Weiteren führte das Gericht an, dass auch Folgeerkrankungen aufgrund der Fettschürze, wie z.B. Hauterkrankungen oder psychische Probleme, keine Notwendigkeit einer Hautstraffung begründen, da sie von den jeweiligen Fachärzten separat behandelt werden können.

Fazit: Auch wenn die Entscheidung des Sozialgerichts Aachen in diesem Fall nicht zu beanstanden ist, kann diese keinesfalls für sämtliche Fälle der operativen Hautstraffung herangezogen werden. Insbesondere wenn andere Organe aufgrund der Fettschürze in ihrer Funktion beeinträchtigt sind und alternative Therapiemöglichkeiten fehlschlagen, werden die Kosten einer Hautstraffung wohl von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden müssen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. egal sagt:

    Toll,

    ich (m, 41) stehe auch vor dem Problem, habe vor ca. 1 1/2 Jahren 40Kg abgenommen (derzeit zwischen 97 und 102Kg schwankend) und so einen handbreiten Fettlappen da hängen, der mich extremst stört und an ekelt.

    Die extreme Gewichtszunahme entstand durch Medikamente, die ich deswegen abgesetzt habe.

    Bin wegen anderen Sachen sowieso schon in psych. Behandlung und ich kann mir nicht vorstellen, ob ich mich jemals damit anfreunden kann, so einen Lappen da hängen zu haben.

    Ich kann mich jedenfalls so nicht einer Frau mehr zeigen, bin schon am überlegen, ob ich mich nicht besser wieder voll Fresse, damit der Lappen zumindest wieder gefüllt ist. 🙁

    Ob es da billiger ist u. U. 10 Jahre oder länger Therapie zu machen oder das Ding ab schneiden lassen ist da die Frage.

    Ist aber wieder typisch für die KK, um nur 50€ zu sparen, wird eine SOFORT wirkende Hilfe abgelehnt und den patienten lieber JAHRELANG gequält um dann sogar evtl. doch die OP zu zahlen und im Endeffekt das Doppelte gezahlt… tolle Geschäftspraktik.

    Eine Bekannte (30) von mir wurde sogar regelrecht von der AOK verarscht, diese hat nach 3 Kindern ein so dermaßen defektes Bindegewebe am Bauch, wo es hieß, wenn sie noch 30Kg ab nimmt, würde die Kasse die OP zahlen.

    Als es dann soweit war, hieß es Ätsch, verarscht, keine OP.

    So kann es auch gehen.

    In diesem Sinne, werde mein restliches Leben eben so leiden müssen. 🙁

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