Medizinrecht

OLG Koblenz: Wer nicht hören will, muss fühlen! – Keine Arzthaftung bei verweigerter Zweitbehandlung

Begeht der erste behandelnde Arzt einen groben Behandlungsfehler haftet dieser nicht unbedingt, wenn der Patient Therapiemaßnahmen eines zweiten Arztes ablehnt.

Behandlungsfehler Arzt

©-Thomas-Jansa-Fotolia

Das OLG Koblenz musste sich in den Beschlüssen vom 27. Juni und 27. August 2012 (Az.: 5 U 1510/11) mit der Klage eines Berufsfußballers auf Schmerzensgeld, Rentenzahlung und Erstattung des Verdienstfalles auseinandersetzen.

 

Während eines Fußballspieles erlitt der Kläger eine Bisswunde durch einen anderen Fußballspieler. Der anwesende Mannschaftsarzt untersuchte die Wunde und entschied diese zunächst zu desinfizieren und zu vernähen. Zur weiteren Untersuchung überwies der Arzt den Kläger jedoch noch zusätzlich in ein Krankenhaus. Der dort behandelnde Arzt empfahl eindringlich die Wunde wieder zu öffnen und mit Antibiotikum zu behandeln. Dies lehnte der Kläger jedoch ab, da er Rücksprache mit dem Mannschaftsarzt halten wollte. Diese Entscheidung führte zu einer Kniegelenksinfektion, die das Knie irreparable schädigte und somit die Karriere des Klägers als Berufssportler beendete.

 

Daraufhin erhob dieser zunächst Klage vor dem Landgericht Trier gegen den erstbehandelnden Arzt mit der Begründung, dass er durch das Vernähen der Bisswunde einen groben Behandlungsfehler beging. Bereits in der ersten Instanz wurde die Klage abgewiesen und die Entscheidung anschließend durch das OLG Koblenz bestätigt.

 

Die Richter bestätigten zwar einen groben Behandlungsfehler des erstbehandelnden Mannschaftsarztes. Dieser sei im Vernähen der Wunde zu sehen, da eine menschliche Bisswunde eine bakterielle Infizierung auslösen könne und daher die Wunde gerade nicht vernäht werden dürfe. Allerdings verneinte das OLG Koblenz dennoch die Haftung des Arztes, da der zweite behandelnde Arzt den Kläger unmissverständlich klar gemacht hatte, dass eine Öffnung und antibiotische Therapie unbedingt notwendig seien, der Kläger dies aber gleichwohl ablehnte. Das OLG Koblenz sah gerade hier den Haftungsausschluss als begründet an, da der Kläger durch seine Entscheidung selbst ursächlich zu der bleibenden Knieverletzung beigetragen hat.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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