Medienrecht

Zensur durch Jugendschutzfilter JusProg?

Gegen ein von offizieller Seite anerkanntes Jugendschutzprogramm sind schwere Vorwürfe erhoben worden.

Jugendschutzprogramme sollen eigentlich dazu dienen, dass Kinder und Jugendliche vor entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten wie Pornografie und Gewaltverherrlichung geschützt werden sollen. Sofern Anbieter ihre Angebote entsprechend klassifizieren, brauchen sie keine Altersverifikationssysteme mehr einzusetzen.

Doch für Eltern ist anscheinend es gar nicht so einfach, an einen geeigneten Jugendschutzfilter zu kommen. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat kürzlich unter anderem das Jugendschutzprogramm JuSProg erstmals nur unter Auflagen anerkannt. Hierbei handelt es sich laut KJM um einen „Fortschritt im Jugendschutz im World Wide Web“.

Ob dies wirklich so ist, ist laut Zeit-Online zweifelhaft. Demzufolge soll JuSProg etwa für Kinder und Jugendliche den politischen Blog Boing Boing sperren, der sich in vielen Beiträgen mit Zensur auseinandersetzt. Darüber hinaus soll vor einigen Jahren die Tageszeitung Neues Deutschland, der Übersetzungsdienst von Google sowie Wikileaks gesperrt worden sein. Nach Angaben des Anbieters JusProg soll die Sperrung dadurch kommen, dass automatische Filter eingesetzt werden, die etwa auf die Verwendung des Wortes Pornografie reagieren. Auf berechtigte Beschwerden von den jeweiligen Betreibern wolle man jedoch reagieren. Laut Zeit.de soll das Jugendschutz-Programm JusProg bereits vor einigen Jahren Web-Angebote der TAZ und der Grünen unberechtigt als jugendgefährdend eingestuft haben.

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Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Dr. Schulze sagt:

    Als Vater von drei Kindern muss ich mich schon wundern, wie leichtfertig Sie hier mit Zensurvorwürfen umgehen. Haben Sie denn selbst die boingboing.net Webseite angesehen? Meine Kinder jedenfalls interessieren sich nicht für ein englischsprachiges Sammelsurium eher merkwürdiger Beiträge. Völlig egal, ob das nun frei oder gesperr ist. Und wenn Sie genau hinschauen, gibt es auf der englischen Webseite Diverses, was tatsächlich nicht für Kinder geeignet ist.

    Wir jedenfalls werden weiterhin das Jugendschutzprogramm auf den Kindercomputern benutzen und haben dabei kein bisschen das Gefühl, dass unsere Kinder unter Zensur leiden werden.

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