Medienrecht

„X-Diaries“ verstößt massiv gegen Jugendmedienschutz

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hat ihren Bericht für Rundfunk- und Telemedien-Prüffälle für das zweite Quartal 2011 veröffentlicht. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum  47 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) festgestellt. 37 davon kommen aus dem Rundfunk-, 10 aus dem Telemedienbereich.

„X-Diaries“ jugendschutzrechtlich problematisch

Im Bereich Rundfunk (sprich TV) ist der KJM besonders die RTL 2 Sendung „X-Diaries – love, sun & fun“ unangenehm aufgefallen. Die Sendung ist ein „Scripted Reality“-Format, in dem Laiendarsteller Erlebnisse an Urlaubsorten nachspielen. Besonders Partys, Spaß sowie Beziehungs- und Familienkonflikte stehen dabei im Mittelpunkt des Geschehens. Die Sendung läuft werktags täglich um 19 Uhr und um 12 Uhr in einer Wiederholung.

Die KJM stellte im zweiten Quartal 2011 eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige (Sendezeitgrenze 22 bis 6 Uhr) in 11 „X-Diaries“-Fällen fest. Eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 12-Jährige (Sendezeitgrenze 20 bis 6 Uhr) wurde sogar in 20 „X-Diaries“-Fällen festgestellt.

Problematisch sei die „aufdringliche Darstellung der Themen Sex und Alkohol und die derb-zotige Sprachwahl“, so die KJM. Zudem sei für jüngere Zuschauer nicht ersichtlich, dass es sich um ein fiktionales Format handle, womit „eine sozialethische Desorientierung für unter 16-Jährige oder für unter 12-Jährige zu befürchten“ sei, so die KJM weiter.

RTL 2 hatte im Vorfeld keine Folge der Serie der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorgelegt. Nach der Kritik werden alle aktuell laufenden Folgen von der FSF geprüft, somit sei die jetzige Staffel bisher jugendschutzrechtlich unproblematisch, so die KJM.

Allerdings befinden sich noch 16 von insgesamt 60 problematischen „X-Diaries“-Folgen im Prüfverfahren der KJM.

„Promi-Trödeltrupp“

Ebenfalls beanstandet wurde eine Folge der Doku-Soap „Der Promi-Trödeltrupp“ (RTL 2, 17 Uhr), in der die Prostituierte Molly Luft verschiedene einschlägige Gegenstände zum Verkauf aussortierte. Die KJM übte Kritik daran, dass hier „Prostitution positiv dargestellt“ werde und verschiedene Sexualpraktiken in Formen gezeigt werden, „die junge Zuschauer bei der Entwicklung ihrer eigenen Sexualität beeinträchtigen können.“ Nicht zuletzt wegen der vielen zweideutigen Anspielungen sei die Sendung entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige.

Ebenfalls als entwicklungsbeeinträchtigend beanstandet wurden die die Wrestlingshow „TNA Impact!“ (Sky Sport 2), sowie jeweils eine Folge der Animationsserie „Stroker and Hoop“ (TNT Serie) und der US-Comedyserie „The Hard Times of RJ Berger“ (Viva).

Kritik an nicht-fiktionalen Formaten

Auch zwei nicht-fiktionale Formate wurden als entwicklungsbeeinträchtigend eingestuft. Zum einen die Liveberichterstattung zum „Geiseldrama in Manila“, die im Tagesprogamm von N24 um 13.45 Uhr lief. Dabei wurden Live-Bilder des philippinischen Fernsehens übernommen, bei dem in mehreren Einstellungen – auch in Nahaufnahme – die Leiche des erschossenen Geiselnehmers, sowie die geborgenen, teils toten Geiseln zu sehen waren. In der Meldung der KJM heißt es: „Die KJM ist der Meinung, dass Zuschauer unter 16 Jahre noch nicht die Kompetenz im Umgang mit Nachrichten haben, die für die Verarbeitung solch belastender Bilder notwendig ist. Da Live-Angebote der Selbstkontrolle nicht vorab vorgelegt werden können, musste die KJM vor der Entscheidung über Maßnahmen zunächst die FSF befassen. Die FSF sah bei dem Angebot jedoch keine Beeinträchtigung für Kinder und Jugendliche. Rechtsaufsichtliche Schritte waren hier daher nicht zulässig.“

Auch ein Bericht in der Pro Sieben-Nachrichtensendung „Newstime“ (18 Uhr) über den Spielfilm „Lebanon“, in dem auch Ausschnitte des Kinofilms mit realen Kriegsereignissen verglichen wurden, steht in der Kritik. Dies sei nachhaltig beeinträchtigend für unter 12-Jährige. Gerade die Verquickung von Nachrichten und den realistisch anmutenden Filmausschnitten mache es für jüngere Zuschauer schwer, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, so die Meinung der KJM.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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