Medienrecht

VPRT kritisiert geplante Olympia-Live-Streams von ARD/ZDF

ARD und ZDF haben angekündigt, während der Olympischen Spiele 2012 verstärkt trimedial zu berichten. Doch die neben der Hauptberichterstattung in TV und Radio geplante Online-Berichterstattung, bei der ARD und ZDF im Wechsel täglich bis zu 60 Stunden live streamen wollen, stößt auf heftige Kritik.

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e. V. (VPRT) hat das Vorhaben von ARD und ZDF in einer Pressemeldung als „medienrechtlich wie medienpolitisch äußerst fragwürdig“ bezeichnet.

„Pure Provokation“

VPRT-Präsident Jürgen Doetz sagte dazu: „Die Pläne von ARD und ZDF zeigen erneut, mit welcher Maßlosigkeit die Anstalten ihren Sportinformations- und Telemedienauftrag  interpretieren. Als digitales Überlaufbecken fungieren jetzt nicht mehr wie in der Vergangenheit die Digitalkanäle. Stattdessen werden einfach neue Angebote bzw. Programme im Internet lanciert. Hier kann es nicht einfach heißen: ‚London Calling‘. Vielmehr ist das Vorhaben von ARD und ZDF eine pure Provokation der Rechtsaufsicht.“

Sollten die Olympia-Spartenkanäle (auch wenn sie nur temporär sind) bei linearer Ausstrahlung die Kriterien eines Rundfunkprogramms erfüllen, würde sich die Frage nach einer Überschreitung der zulässigen Anzahl von Fernsehprogrammen stellen, so die Meldung des VPRT weiter.

Zudem sei nach Ansicht der Privaten fraglich, ob das großangelegte Zusatzangebot in die bereits auf Basis des Drei-Stufen-Tests verabschiedeten Telemedienkonzepte integrierbar sei.

Zwar dürfen demnach Live-Streams auf den Sportseiten von ARD und ZDF angeboten werden, jedoch seien die Abrufangebote bei großen Sportereignissen auf 24 Stunden beschränkt. ARD und ZDF hätten allerdings angekündigt, dass Highlight-Videos auch noch Tage später auf sportschau.de/olympia oder sport.zdf.de verfügbar seien. Ein Widerspruch, nach Ansicht des VPRT.

Es sei nun an der Medienpolitik, dass Vorhaben zu prüfen, andernfalls würde „die Ineffizienz des Drei-Stufen-Tests ein weiteres Mal untermauert“, so VPRT-Präsident Jürgen Doetz.

„Zumindest in einem Punkt hat die Ankündigung ein wenig Aufschluss gegeben, nämlich bei den Kosten. Nun ist für jeden nachvollziehbar, warum trotz der Reduzierung des Personalaufwandes von 700 auf 480 Mitarbeiter im Vergleich zu den letzten Olympischen Spielen diese 2012 trotzdem wieder mit je 10 Millionen Euro bei ARD und ZDF zu Buche schlagen: Die bei den Personalkosten  erzielten Einsparungen scheinen nunmehr in die Produktions- und Technikkosten für neue Angebote zu fließen“, so Doetz laut der Meldung des VPRT.

ARD weist Kritik zurück

Die ARD hat die Kritik des VPRT zurückgewiesen. Walter Johannsen (NDR), Chef des ARD-Olympiateams sagte dazu: „Abgesehen davon, dass die Reaktionszeit des VPRT-Präsidenten nicht eben medaillenverdächtig ist, unterliegt er einer völligen Fehleinschätzung der realen Kosten. London 2012 wird für uns günstiger als Peking 2008, und dazu trägt auch unser Online-Angebot auf sportschau.de bei. Es verursacht deutlich weniger Aufwand als früher die Bespielung der Digitalkanäle.

„Zeitlich begrenztes Angebot ist juristisch geprüft“

Durch die effektive Nutzung unserer erworbenen Rechte bieten wir allen Sportinteressierten einen zusätzlichen Service. Bislang hat kein VPRT-Mitgliedssender von der Möglichkeit der Sublizenzierung Gebrauch gemacht. Per Livestream lassen sich die Wettkämpfe auch in solchen Sportarten verfolgen, die nicht automatisch im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen. Das zeitlich begrenzte Angebot ist juristisch geprüft, es gibt keine rundfunkrechtlichen Bedenken“, so Johannsen laut einer Meldung der ARD.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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