Medienrecht

VG-WORT beschließt neuen Verteilungsplan

Nachdem der BGH im Jahr 2016 entschieden hatte, dass Verlage nicht pauschal an den Urhebereinnahmen beteiligt werden dürfen, mussten nun, auch auf Grundlage des neu erlassenen Verwertungsgesellschaftsgesetzes (VGG), die Verteilungspläne neu verfasst werden. Doch was genau ändert sich dadurch für die Autoren und worauf sollte geachtet werden? Der Artikel soll einen ersten Überblick verschaffen und Möglichkeiten aufzeigen.

Am 20. Mai 2017 fand die diesjährige Mitgliederversammlung der VG-WORT statt. Dort wurde unter anderem der neue Verteilungsplan, sowie auch ein Übergangs- und Ergänzungsplan beschlossen, der die diesjährige Übergangssituation regeln soll. Dies war vor allem deswegen dringend notwendig, da Ende Juni die nächste Hauptausschüttung der VG-WORT stattgefunden hat.

VG-Wort – Übergangs- und Ergänzungsverteilungsplan

 Für die Ausschüttungen dieses Jahres regelt der Übergangs- und Ergänzungsverteilungsplan wie verteilt werden soll:

Zunächst erhält der Autor wie gewohnt seinen Anteil. Der Verlagsanteil jedoch, der je nach Werk bei 30 % oder 50 % liegen kann, wird vorerst von der VG-WORT einbehalten. Der Autor hat dann bis zum 30.09.2017 die Gelegenheit, zu Gunsten seines jeweiligen Verlages nachträglich auf diesen Anteil zu verzichten.

Hierbei handelt es sich um ein freiwilliges und anonymes Verfahren, das auf jedes Werk einzeln bezogen ist. Der Autor muss sich also entscheiden, ob er, beispielsweise aus Solidaritätsgründen, dem Verlag dennoch seinen Anteil zukommen lassen will. Verzichtet er darauf, so werden die Anteile zu 100 % an den Autor ausgezahlt.

So geht es 2018 weiter:

 Der neue Verteilungsplan beinhaltet unter anderem eine vollständige Neuregelung der Verlegerbeteiligung an den Urhebereinnahmen und findet für alle Ausschüttungen ab dem Jahr 2018 Anwendung.

Hat der Autor der Verlegerbeteiligung zugestimmt, erfolgt diese aufgrund der im neuen Verteilungsplan festgelegten Quoten. Diese bringen zum Teil Verbesserungen für den Autor gegenüber der ursprünglichen Quotelung. So erhalten beispielsweise Autoren in wissenschaftlichen oder Fachzeitschriften 70 % statt wie bisher 50 %.  Bei Online-Texten wird zukünftig unterschieden werden, ob es sich um frei verfügbare Texte handelt, oder um Texte, die nur aufgrund einer Bezahlschranke abrufbar sind. Bei freien Texten erhält der Autor nun 70 % statt 60 %, bei Texten hinter Bezahlschranken bleibt es bei der bisherigen Quote von 60 %.

In der VG-WORT wurde der beschlossene Verteilungsplan äußerst positiv bewertet. „Mit den neuen Verteilungsplanregelungen wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass die VG WORT die gemeinsame- sehr erfolgreiche- Rechtewahrnehmung für Urheber und Verlage fortsetzen kann. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft.“ – äußerten sich die beiden geschäftsführenden Vorstände der VG WORT Dr. Robert Staats und Rainer Just laut Pressebericht direkt nach der Sitzung. Damit haben lange Zeiten von Diskussionen und Unsicherheiten vorerst ein Ende gefunden. Nun liegt es an den Autoren, den richtigen Weg zu finden, zwischen einer vollständigen Ausschüttung ihres Anteils und der Frage, welche Auswirkungen es haben kann, wenn der Verlag daran nicht mehr beteiligt wird. Für kleinere Verlage würde ein vollständiger Wegfall des Verlegeranteils sicherlich gravierende finanzielle Folgen haben.

lbo

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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