Medienrecht

Vergütungsregeln ignoriert: Zeitung muss Honorar nachzahlen

Erneut hat ein freier Journalist vor Gericht eine Nachzahlung von seinem Auftraggeber erzielt. Das Landgericht Mannheim befand das Honorar des Reporters als zu niedrig und verurteilte die Pforzheimer Zeitung zu einer Nachzahlung.

Da das Honorar des freien Journalisten unter dem lag, was die Vergütungsregeln vorsehen, muss die Zeitung nun die Differenz von 47.200 Euro zuzüglich Zinsen nachzahlen, so die Entscheidung des Gerichts (Az. 7 O 308/12).

© svort Fotolia

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33 Cent pro Zeile

Der Kläger war von 2001 bis 2011 für die Pforzheimer Zeitung als Autor und Fotograf tätig. Zwischen 2009 und 2011 habe der Journalist pro Zeile 33 Cent, pro Bild zwischen 11 und 27,50 Euro, so die Angaben des Branchendiensts Meedia unter Berufung auf die Unterlagen des Gerichts. In einigen Fällen seien Pauschalbeträge zwischen 20 und 150 Euro gezahlt worden.

Die 2010 von Journalistenverbänden und Zeitungsverlagen getroffenen Gemeinsamen Vergütungsregeln sehen jedoch ein Honorar von 62 bis 68 Cent pro Zeile als angemessen an. Bilder und Reportagen seien höher zu honorieren. Da der Journalist mit der Zeitung eine Exklusivvereinbarung getroffen habe,  stünden ihm auch Honorarsätze für das Erstdruckrecht zu, so das Urteil der Richter.

Gerichtsentscheide ernst nehmen

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) begrüßte das Urteil. DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken bezeichnete die Urteile als „Ohrfeige für diejenigen Verlage, die die von ihrem Verband ausgehandelten Vergütungsregeln beharrlich ignorieren“. Zudem empfahl Konken den Zeitungsverlagen, die aktuellen Gerichtsentscheide ernst zu nehmen: „Es ist billiger, nach den Vergütungsregeln zu honorieren als von Gerichten dazu verurteilt zu werden“.

Vor einigen Wochen hatte bereits das Landgericht Köln den Bonner General-Anzeiger dazu verurteilt, zwei freien Journalisten ebenfalls Honorare von insgesamt fast 50.000 Euro nachzuzahlen. Bei allen Entscheidungen sahen die Gerichte die Vergütungsregeln als „angemessen“ an.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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