Medienrecht

Vergütung von 100,- EUR für einen Online-Artikel von 10.000 Zeichen ist unangemessen

Das OLG Celle hat entschieden, dass eine Vergütung zwischen 40 – 100,- EUR für einen Online-Artikel von 10.000 Zeichen nicht angemessen ist (Beschl. v. 27.04.2016 – Az.: 13 W 27/16). Der Urheber der Artikel soll deshalb nun einen Anspruch auf eine höhere Vergütung haben.

Vergütung von 100,- EUR für einen Online-Artikel ©-cirquedesprit-Fotolia

Vergütung von 100,- EUR für einen Online-Artikel ©-cirquedesprit-Fotolia

Der Kläger hatte in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 14 Artikel verfasst, welche auch veröffentlich wurden. Für seine Arbeit wurde der Kläger von der Beklagten, einem Verlagsunternehmen mit einer eigenen Webseite, mit 40 bis 100 Euro pro Artikel vergütet.  Für einen Artikel von 10.000 Zeichen hatte der Kläger demnach nur 100 Euro erhalten. Auch hatte der Kläger seinen Texten zum Teil Fotografien beigefügt – diese wurden jedoch überhaupt nicht vergütet. Das OLG Celle hat nun ein solches Vorgehen als unverhältnismäßig eingestuft. Es handele sich um eine unangemessene Vergütung im Sinne des § 32 UrhG.

Anspruch von Autor auf Zahlung einer angemessenen Vergütung

Der Autor der Texte kann nun die Zahlung einer angemessenen Bezahlung von seiner Auftragsgeberin verlangen. Eine Vergütung ist nach dem Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahre 2015 dann angemessen,  „wenn sie im Zeitpunkt des Vertragsschlusses dem entspricht, was im Geschäftsverkehr nach Art und Umfang der eingeräumten Nutzungsmöglichkeit, insbesondere nach Dauer und Zeitpunkt der Nutzung, unter Berücksichtigung aller Umstände, üblicher- und redlicherweise zu leisten ist.“ Die Richter des OLG Celle haben bei der Beurteilung der Angemessenheit  die „Vertragsbedingungen und Honorare 2013 für die Nutzung freier journalistischer Beiträge“ des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) als Vergleichsmaßstab herangezogen und sind dadurch letztendlich zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Vergütung in Höhe von  400,- EUR pro Artikel angemessen gewesen wäre. Der Kläger hat nun nicht nur Anspruch auf Nachzahlung des Entgelts für seine Werke, sondern auch auf Vergütung der  mitgelieferten Bilder. Pro Bild sollen rückwirkend 50,- EUR fällig werden.

Beschwerde ist unbegründet

Schon im Januar 2016 hatte das Landesgericht Hannover die geringe Vergütung durch die Beklagte als unangemessen empfunden. Gegen diesen Beschluss hatte das beklagte Online-Magazin dann aber fristgerecht die sofortige Beschwerde beim OLG Celle eingereicht. Mit seinem Beschluss hat das OLG Celle nun aber die Beschwerde zurückgewiesen. Der Beklagten steht gegen die Entscheidung des OLG Celle nun nur noch der Rechtsweg vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe offen. (CAT)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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