Medienrecht

US-Gericht entscheidet: Warner hat keine Rechte am Lied „Happy Birthday to You“

Nach zwei Jahren Rechtsstreit um das weltweit bekannte Lied „Happy Birthday to You“ hat ein US-Gericht in Kalifornien nun klar gestellt, dass die Warner Music Group keine Rechte an diesem Lied hat und folglich auch keine Lizenzgebühr mehr für die kommerzielle Verwendung des Liedes verlangen darf. 

Jahrelang hatte die Warner Music Group für das Abspielen des Liedes in der Öffentlichkeit oder die kommerzielle Verwendung zwischen 500 und zehntausend Dollar verlangt. Das Unternehmen hat sich mit dem Lied eine goldene Nase verdient – bis zu zwei Millionen Dollar im Jahr. Damit ist es nun vorbei. Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass das Urheberrecht auf das sich das Unternehmen immer berief, nur einem Klavier – Arrangement galt und nicht dem Lied an sich. Das Lied soll tatsächlich in einem Liederbuch im Jahre 1922 ohne urheberrechtlichen Schutz veröffentlicht worden sein.

Das Lied gehört der ganzen Welt

Der Streit um das Urheberrecht war entbrannt, als eine Regisseurin, die einen Dokumentarfilm über die Herkunft von „Happy Birthday to You“ gedreht und dafür 1500 Dollar Lizenzgebühr gezahlt hatte, auf Unterlagen gestoßen war, die auf die Ungültigkeit des Urheberrechts für das Lied hinwiesen.

Zusammen mit zwei anderen Künstlern, die ebenfalls für die Nutzung des Liedes aufgefordert wurden hohe Lizenzgebühren zu zahlen, entschied sie sich zu klagen. Ihr Argument: Das Lied gehöre der ganzen Welt und keinem einzelnen Unternehmen. Dies bestätigte nun auch das Gericht.

Seit wann wird das Lied gesungen

Das „Happy Birthday“ Lied wurde 1893 von einer US-amerikanischen Musikerin für Kindergartenkinder komponiert. Gesungen wurde damals jedoch nicht „Happy Birthday to You“, sondern „Good Morning to You“. Den Durchbruch erlangte das Lied auf einer Geburtstagsfeier in Bundesstaat Kentucky. Von da an verbreitete sich das Lied, erst über ein singendes Telegramm und dann durch Missionare aus Kentucky in die ganze Welt – so zumindest wird es erzählt.

In Deutschland zählt das Lied ab 2017 zum Allgemeingut, da dann die 70 Jahre nach dem Tod der Komponistin verstrichen sind. Warner Bros hätte in den USA jedoch bis zum Jahre 2030 noch sehr viel Geld mit dem Lied machen können. Diese Einnahmequelle ist nun definitiv versiegt.

Update: So ging es weiter nach dem Urteil

[UPDATE 16.02.2016]  Ursprünglich wollte Warner/ Chappell das Urteil anfechten, gab sich dann aber schließlich doch geschlagen. „Wir stimmen zwar nicht mit der Entscheidung des Gerichts überein, sind jedoch froh, dass die Sache geklärt wurde“, so ein Sprecher des Verlags. Man einigte sich auf einen Vergleich, der aber noch von einem Richter bestätigt werden muss. Der Vergleich hat vor allem zur Folge, dass es kein Strafverfahren geben wird. In einem solchen hätten die Kläger wahrscheinlich für die rechtswidrige Verwertung des Songs noch zusätzliche finanzielle Entschädigung verlangt. So einigte man sich darauf, dass 14 Millionen US-Dollar an diejenigen gezahlt werden müssen, die in der Vergangenheit eine Lizenz erworben hatten. Zusätzlich kommen auf Warner/Chappell Gerichtskosten in Höhe von 4,6 Millionen US-Dollar zu. Nicht außer Acht gelassen werden dürfen dabei die wohl über 14 Millionen US-Dollar an zukünftigen Lizenzzahlungen, die noch bis 2030 in die Kasse von Warner/ Chappell geflossen wären. [UPDATE ENDE]

(JEB | LiB)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×