Medienrecht

Tanz der Gutgläubigen – So schnell landet man im Wahlwerbespot der Republikaner

Einen großen Schock erlitten knapp ein Dutzend Komparsen, als diese sich in einem Wahlwerbespot der Republikaner wiederfanden, anstatt in einem Video einer neuen Rockband.

So schnell landet man im Wahlwerbespot der Republikaner ©-Thomas-Jansa-Fotolia

So schnell landet man im Wahlwerbespot der Republikaner ©-Thomas-Jansa-Fotolia

 

76 Sekunden voller Hass und Provokation

Es ging um ein ganz normales Casting und um ein scheinbar ganz normales Musikvideo einer neuen Rockband, die für dieses Video Komparsen suchten. Hierfür beauftragte die Sunshine GmbH die Berliner Casting Agentur Wanted, um genau diejenigen jungen Leute zu finden, die im Hintergrund des besagten Videos tanzen sollen. Knapp ein Dutzend Komparsen erschienen auch zum Drehtag in Hamburg und waren voller Tatendrang. Sie hörten rockige Musik und ahnten dabei nicht, dass hier später schlechter, aggressiver und sehr provokanter Möchtegern-Sprechgesang eingespielt werden wird. Diesen konnten die Komparsen erst hören, als sie das Video im Internet fanden und sich die Irreführung aufklärte. Dank der motivierten Komparsen konnten die rechtsextremen Republikaner, die der Verfassungsschutz schon lange im Visier hat, im Rahmen der Bundestagswahl 2013 Werbung für ihre Partei machen. Das musikalisch nicht sehr wertvolle „Lied“ trägt den Titel „Lass dich nicht verarschen“ – eine Abrechnung mit den anderen im Bundestag vertretenden Parteien. In dem Video sind nicht nur die tanzenden, gutgläubigen Komparsen zu sehen, sondern es werden immer wieder nackte Hintern mit Tangas in den Farben der großen Parteien gezeigt – schwarz, rot, grün, gelb.

Einstweilige Verfügung erwirkt

Die Republikaner waren so schlau, in dem Vertrag mit den Komparsen ein umfassendes Verwertungsrecht einzubauen. So hatten sie eine rechtliche Grundlage dafür, das Video für all das zu nutzen, was sie wollten – immerhin erhielten die Komparsen auch eine Tagesgage von 75- 250 €.

Gegen die Verbreitung und Nutzung dieses Videos erwirkte die Berliner Casting-Agentur gemeinsam mit den Komparsen allerdings eine einstweilige Verfügung. Ihr Anwalt Johannes Eisenberg führt an, dass sie allesamt unwissentlich waren und so etwas nie vermittelt bzw. unterschrieben hätten, wenn sie die wahren Gegebenheiten gewusst hätten. Bislang ignoriert die rechtsextreme Partei diesen Beschluss jedoch. Scheinbar haben sie sich die einstweilige Verfügung noch nicht genau durchgelesen, denn dann wüssten sie, dass bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000,- Euro droht.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Timo sagt:

    Liest man die Ausführungen zu dem Verfahren, dann stammen sie vermutlich eher von einem Praktikanten, als von einem Rechtsanwalt. So werden die Republikaner weder vom Verfassungsschutz beobachtet, noch sind sie rechtsextrem, noch hätten sie sich an die einstweilige Verfügung halten müssen, bevor diese auch ordnungsgemäß zugestellt ist.

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