Medienrecht

„Supertalent“ zahlt 5000 Euro für Show-Tipp

Freddy Sahin-Scholl, Gewinner der letzten Staffel der RTL-Show „Das Supertalent“, hat in der letzten Zeit weniger mit seinem musikalischen Können, sondern wegen eines Rechtsstreits auf sich aufmerksam gemacht. Sahin-Scholl, auch bekannt als der „Mann mit den zwei Stimmen“ wurden von einem Bekannten wegen Nichteinhaltung eines mündlichen Vertrags verklagt. Nun hat sich Sahin-Scholl am Montag vor dem Landgerichts Karlsruhe auf einen Vergleich geeinigt und zahlt 5000 Euro an den Kläger.

Der klagende Frührentner hatte behauptet, er habe Sahin-Scholl überredet an der Show teilzunehmen und ihm zahlreiche Tipps für seinen Auftritt gegeben. Daraufhin soll ihm Sahin-Scholl 20% Erlösbeteiligung zugesichert haben, falls er die Show gewinnen würde. Nach Angaben von Sahin-Scholl sei diese Vereinbarung nie getroffen worden. Er forderte seinerseits eine Unterlassungs der Äußerungen und einen Schadensersatz wegen Rufmords. Im Juni dieses Jahres hatte der Kläger einen Vergleich in derselben Höhe abgelehnt, da der Betrag angesichts der Gewinnsumme von 100 000 Euro und geschätzten Einnahmen von 1,3 Millionen Euro „lächerlich“ sei.

Ein 55-jähriger Schlosser trat als Zeuge für den Kläger auf. Er habe im Mai 2010 in einem Straßencafé mitbekommen, wie die beiden „lautstark und intensiv“ geredet hätten. Dabei habe er gehört, wie Sahin-Scholl seinem Gegenüber eine Gewinnbeteiligung von 20% versprochen habe. Allerdings könne er sich nicht erinnern, um welche Gegenleistung es ging. „Ich konnte schließlich nicht alles hören.“

Dass der Kläger Sahin-Scholl zu der Show gebracht habe, bestreitet dieser nicht. So heißt es in der Biographie auf der Webseite von Sahin-Scholl: „“Ein Bekannter, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte, rief mich irgendwann an und fragte mich, ob ich die Sendung kenne. Ich müsse da unbedingt mitmachen“, erinnert sich Sahin-Scholl. Nachdem sich der in Karlsruhe lebende Musiker monatelang erfolgreich gegen die verhasste Audition wehren konnte, setzte ihm der Anrufer bei der 4. „Supertalent“-Staffel schließlich entschlossen die Pistole auf Brust. „Er meinte: ‚Es ist für mich eine Herzenssache, ich bin dein größter Fan. Du musst da hin, das ist ein Auftrag. Am nächsten Sonntag ist das letzte Casting in Köln, wenn du da nicht hinkommst, dann hole ich dich um sechs Uhr mit meinem Auto ab'“, schmunzelt er heute. In der Nacht vor besagtem Sonntag tat Freddy kein Auge zu.  Er hatte den Mann zehn Jahre nicht gesehen, war nicht einmal mit ihm befreundet.“

Das Gericht sah zwar eine mündlich getroffene Vereinbarung als gegeben an, aber aufgrund der dürftigen Beweislage könne der Frührentner nicht mehr als den Vergleich erwarten. Der Verteidiger von Sahin-Scholl sagte zu dem Vergleich: „Wir wollen die Sache endlich vom Tisch haben, damit sich mein Mandant wieder auf seine Karriere konzentrieren kann.“

Der Kläger darf nun nicht mehr behaupten, dass sich der Künstler nicht an die Vereinbarung einer Gewinnbeteiligung gehalten habe. Mit dem jetzt vollzogenen Vergleich sind nun beide Klagen hinfällig. Die Kosten für das Gerichtsverfahren wurden geteilt.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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