Medienrecht

„Super Nanny“: RTL zahlt Bußgeld

Erst letzte Woche hatte die Landesanstalt für Medien (LfM) ein Gutachten zur Menschenwürde im Fernsehen veröffentlicht. Als Beispiel erwähnte der Direktor der LfM, Dr. Jürgen Brautmeier, den aktuellen Streit zwischen RTL und der LfM.

Dabei geht es um eine Szene aus der Sendung „Super Nanny“, in der eine Mutter ihr Kind beschimpft und geschlagen hatte, ohne dass das Team der Sendung eingeschritten wäre. Die Szene wurde allein in der Sendung dreimal gezeigt. „Das Kind wird in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert“, hieß es in der Kritik. Die Medienanstalten sahen darin eine „Verletzung der Menschenwürde“. Die LfM verhängte auf Geheiß der Kommission Jugendmedienschutz (KJM) ein Bußgeld von 15.000 Euro gegen den Sender.

RTL reichte dagegen Klage beim Kölner Verwaltungsgericht ein. „Da wir die Beanstandung der fraglichen Folge nicht nachvollziehen können und für unangemessen halten, haben wir gegen die Bescheide selbst Rechtsmittel eingelegt“, sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer im April diesen Jahres.

Für Brautmeier würde sich die Szene für ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts zur Menschenwürde eignen. „Ich hätte Interesse daran, dass dieser Fall vor Gericht weiter verhandelt wird“, sagte Brautmeier. „Vielleicht bis in die höchste Instanz vors Bundesverfassungsgericht, damit wir Kriterien und größere Klarheit für unsere Aufsichtsarbeit bekommen“.

Nach Angaben des „Tagesspiegels“ hat RTL sich nun entschieden, das Bußgeld zu bezahlen und die Klage zurückzuziehen. Dies sei aber kein Schuldeingeständnis, so RTL-Sprecher Christian Körner. „Wir sind davon überzeugt, dass wir die Menschenwürde von niemandem verletzt haben“, so Körner.

RTL, LfM, KJM haben sich nun geeinigt, dass Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio ein Gutachten erstellen soll, das künftig als Orientierung fürs Programm dienen soll, so der Bericht weiter.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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