Medienrecht

Studie: WDR und MDR genügen Programmauftrag nicht

Ebenso wie ARD und ZDF müssen auch die dritten Programme einen Programmauftrag erfüllen. Doch dies geschieht nicht immer zu genüge, so eine aktuelle Studie.

Die Otto Brenner Stiftung hat die Programmleistungen und Themenstrukturen dritter Programme, in diesem Fall von WDR und MDR, genauer unter die Lupe genommen. Und sie kamen zu folgendem Ergebnis: Viele Wiederholungen, weniger Information als behauptet, und ein Trend zu „Human- Touch-Themen“.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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MDR unterhaltungsorieniert, Regionalberichterstattung beim WDR

Der MDR sei von allen bislang untersuchten dritten Programmen der mit Abstand unterhaltungsorientierteste Sender. Die besondere Stärke des WDR hingegen liege in einer ausdifferenzierten, in vielen Fällen eher lokal anmutenden und auf die Ballungsräume bezogenen Regionalberichterstattung liegt, in der zudem auch kontroverse und politische Themen dominieren, so die Meldung der Otto Braun Stiftung.

Viele Wiederholungen

Aber es sei auffällig, dass viele Wiederholungen die Programme prägen würden: „Ähnlich wie NDR und SWR, können auch WDR und MDR ihren Sendebetrieb nur durch hohe Wiederholungsraten aufrechterhalten“, so ein Ergebnis der Studie.

„Human- Touch-Berichterstattung“

Bereits 2013 hatte die Otto Brenner Stiftung eine Studie zum SWR und NDR vorgelegt. Darin sprach man von einer „Boulevardisierung der Dritten„. Die neue Studie habe dieses Ergebnis abermals bestätigt, so die Meldung der Otto Brenner Stiftung. Demnach habe die „Human- Touch-Berichterstattung in den dritten Programmen inzwischen ein ähnliches Ausmaß wie bei der privaten Konkurrenz erreicht“, so die Studie.

Informationsanteil

Der von den Sendern immer wieder kolportierte hohe Anteil von bis zu 70 Prozent Informationsanteil lasse sich laut des Medienforschers Prof. Dr. Joachim Trebbe für Erstsendungen im Untersuchungszeitraum nicht nachweisen. „Selbst wenn man Ratgebersendungen berücksichtigt, liegt er beim WDR nur bei rund 50 Prozent, der MDR kommt lediglich auf 37 Prozent“, so Trebbe, der seine Daten zu WDR und MDR u.a. auch mit Angaben zu ARD und ZDF verglichen hat.

Die Untersuchung von 2013 ließ bereits Zweifel aufkommen, dass die Dritten ihrem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag gerecht werden. Die WDR/MDR- Studie liefere nun Daten, Zahlen und Erkenntnisse, die diese Bedenken weiter erhärten und zeigen, dass sie beim MDR-Programm besonders berechtigt sind, so die Meldung der Otto Brenner Stiftung weiter.

Man wolle mit der Studie einen Beitrag zur Debatte über die Qualität der dritten Programme liefern und Denkanstöße für eine Veränderung geben, so die Otto Brenner Stiftung „Eine Diskussion, die vor dem Hintergrund der tief greifenden Veränderung der Rolle des Fernsehens in der Medienlandschaft dringend notwendig ist“, sagt Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung. Man wolle daher auf die Lücke zwischen Programmauftrag und Programmrealität hinweisen.

Stellungnahme WDR

Der WDR reagierte in mit einer Stellungnahme auf die vorgelegte Studie. So behaupte die Studie, der WDR habe keinen Informationsanteil von mehr als 70 Prozent. Die regelmäßig durchgeführte Programmanalyse auf Basis der AGF-Programmcodierung, die nicht nur wie die Studie der Brenner-Stiftung einen kurzen Zeitraum von einer Woche umfasst, sondern das gesamte Programmangebot des WDR Fernsehens im Jahr 2014 komme hingegen zu dem Ergebnis, dass 76 Prozent des täglichen Angebots danach auf Informationssendungen entfallen.

Auch den „Trend zu Human-Touch-Themen“ belege die Studie nicht, da bezogen auf die einzelnen Sender Vergleichsdaten früherer Jahre fehlen würden. Zudem sei der „Human-Touch“-Begriff der Studie sehr weit gefasst, da u. a. vielfach preisgekrönte Doku- und Reportage-Formate wie „Menschen hautnah“ dazugezählt werden würden. Auch die Berichterstattung über „besondere Schadensereignisse“ gehöre für die Autoren der Studie zu „Human Touch-Themen“. Diese ist jedoch bei einer öffentlich-rechtlichen Regionalberichterstattung geradezu geboten, so die Stellungnahme des WDR.

Zum Thema Wiederholungen schreibt der WDR, dass diese für den Sendebetrieb des WDR Fernsehens eine wichtige Rolle spielen. Alle Vollprogramme, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, seien – vor allem in der Nacht – auf Wiederholungsstrecken angewiesen. Wiederholungen seien programmwirtschaftlich und gerade im Hinblick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Rundfunkbeiträgen geboten und werden von Zuschauern vielfach als Service wahrgenommen, so der WDR.

Generell könne die Studie, bezogen auf das WDR Fernsehen, keine Hinweise und Belege, die auf eine Nichterfüllung des Programmauftrags hinweisen, vorlegen. Laut WDR Gesetz, § 4 Programmauftrag, haben die Angebote des WDR „der Information, Bildung und Unterhaltung zu dienen“, so die Meldung weiter. (COH)

 

Die Otto Brenner Studie zu WDR und MDR finden Sie hier

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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