Medienrecht

Streit um das Buch: „Die schönsten Wege der Wanderhure“

Am 13. März werden zwei Verlage vor dem Düsseldorfer Landgericht darüber streiten, ob der Buchtitel „Die schönsten Wege der Wanderhure“ rechtswidrig ist.

Verletzung der Titelrechte

Der Verlag Droemer Knaur, der die erfolgreiche Buchreihe „Die Wanderhure“ verlegt, sieht seine Titelrechte verletzt und will eine einstweilige Verfügung gegen den Vertrieb des Buches eines Konkurrenzverlages „Die schönsten Wege der Wanderhure“ erwirken. Vielen ist die Buchreihe „Die Wanderhure“ ein Begriff.  Sie wurde bereits von Sat1 verfilmt und vom Publikum gefeiert. Droemer Knauer ist der Ansicht, dass hier bewusst der Erfolg der Buchreihe ausgenutzt werde. Es werde fälschlicherweise der Eindruck erweckt, dass es sich bei dem Buch um eine lizensierte Produktion handele.

Ironisch verfremdeter Titel von der Kunstfreiheit gedeckt?

Der Verlag Voland & Quist, der nach eigener Aussage die historischen Romane des Wanderhuren-Autorenduos Iny Lorentz persifliert, sieht sich im Recht. Seiner Ansicht nach, sei für den Leser unmittelbar erkennbar, dass es sich hier um eine Parodie der bekannten Buchreihe handelt. Inhaltlich handelt das Buch von der aggressiven Vermarktung von Bestsellern allen Genres. Der offensichtlich ironisch verfremdete Titel sei von der Kunstfreiheit gedeckt.

Rechtsverletzung am Titel

Der Verlag Voland & Quist verkennt jedoch, dass im Rahmen dieser Auseinandersetzung die Berufung auf die Kunstfreiheit gar nicht von Relevanz ist, da es neben der urheberrechtlichen Komponente hier im Kern um das Recht des Titelschutzes geht. Dieses ist im MarkenG geregelt und eine Verletzung dieser Rechte kann eben gerade nicht durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt werden. Der Titelschutz aus dem Markenrecht ist zwar stets eng auszulegen, hier ist jedoch die Nutzung des Titels „Die schönsten Wege der Wanderhure“ aus folgenden Gründen aus unserer Sicht kritisch zu beurteilen:

Zum einen handelt es sich um einen Titel, der für das gleiche Medium, nämlich ein Buch, benutzt wird, sodass hier die Verwechslungsgefahr entsprechend groß ist. Zum anderen ist im Titel die Rede von „der Wanderhure“. Die Nutzung des Wortes im Singular spielt eindeutig auf die bekannte Figur „die Wanderhure“ der Lorentz Romane ab. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Anspielung hierbei satirischer Natur ist. Tatsache ist, dass dadurch eine Verwechslungsgefahr entsteht, die den bestehenden Titelschutz der Wanderhuren-Romane verletzt.

Wettbewerbsrechtsverletzung

Schließlich kommt hier auch eine Verletzung des Wettbewerbsrechts in Frage. § 4 Abs.9 a UWG regelt, dass eine unlautere Geschäftshandlung immer dann vorliegt, wenn Waren angeboten werden, die eine Nachahmung der Waren eines Mitbewerbers sind und dadurch eine Täuschung über die Herkunft der Ware herbeigeführt wird. Eine Verwechslungsgefahr ist hier zweifelsohne gegeben. Die Vermarktungsleistung des Verlages Droemer Knaur, die letztlich den Ruf und Erfolg der Iny Lorentz-Romane mitbegründete, wird hier bewusst ausgenutzt.

Es ist somit davon auszugehen, dass die Richter zugunsten des Verlages Droemer Knauer entscheiden werden. Voland & Quist dürfte sodann das Buch nicht mehr unter diesem Titel vermarkten.

Der wirtschaftliche Schaden, der bei einem Verbot der Titelnutzung entsteht, ist groß. Ratsam ist es daher sich vorher rechtlichen Beistand zu holen, um mögliche Rechtsverstöße von vornherein auszuschließen. Unser Expertenteam aus erfahrenen Anwälten steht Ihnen dabei gerne zur Verfügung.

 

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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