Strafrecht

Kunstperformance in Kirche – 700 Euro Geldstrafe

Das Amtsgericht Saarbrücken (Urteil vom 17.01.2017, Az. 115 Cs 192/16) den Künstler Alexander Karle zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro verurteilt. Karle hatte in einer katholischen Kirche 27 Liegestütze auf dem Altar gemacht, die Aktion filmen lassen und das Video dann unter dem Titel „Pressure to perform“ mehrfach öffentlich gezeigt.

 

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Kunstaktion auf Altar

Der 38 Jahre alte Künstler Alexander Karle hatte in der katholischen Kirche St. Johann in Saarbrücken eine Kunstaktion durchgeführt. Er betrat die Kirche, überstieg eine Absperrkordel und kletterte auf den Altar der Kirche. Auf dem Altar hat er dann insgesamt 27 Liegestütze gemacht und die Kirche daraufhin wieder verlassen.

Videoaufnahmen veröffentlicht

Karle hatte die Aktion auf Video aufgezeichnet. Die Aufnahmen hat der Künstler in der folgenden Zeit mehrfach öffentlich vorgeführt. Unter anderem präsentierte er die Aufnahmen unter dem Titel „Pressure to perform“ bei mehreren Ausstellungen und in einem Schaufenster.

Verfahren nach Strafbefehl

Einen Strafbefehl in Höhe von 1500 Euro wollte Karle nicht akzeptieren und legte Widerspruch ein. In der folgenden Verhandlung vor dem Amtsgericht Saarbrücken argumentierte Karle, dass er im Rahmen der Kunstfreiheit gehandelt habe. Sein Verhalten habe insgesamt keinen beleidigenden oder verhöhnenden Charakter gezeigt. Der Verteidiger des Künstlers betonte, dass die Aktion möglicherweise Unfug gewesen sei, aber keinen beschimpfenden Charakter gehabt habe.

Verletzung des Religionsfreiheit

Das Amtsgericht Saarbrücken hat den Künstler im Ergebnis zu einem Geldstrafe in Höhe von 700 Euro verurteilt. Das Gericht begründete seine Entscheidung vor allem damit, dass das Verhalten nicht durch die Kunst- oder Meinungsfreiheit gedeckt sei. Richterin Judith Simon äußerte sich deutlich: „Man muss klar und deutlich konstatieren: Wenn ein Altar einer Turnmatte gleichgesetzt wird, wird objektiv eine Missachtung zum Ausdruck gebracht. Und selbst wenn man jetzt davon ausgeht, dass es sich hier tatsächlich um Kunst handelt, liegt es auch auf der Hand, dass Sie Ihre Kunstfreiheit nicht überall, jederzeit und an jedem Ort verwirklichen können“.

Grenzüberschreitung

Das Gericht hat die Aktion als Grenzüberschreitung bewertet und den Künstler wegen Hausfriedensbruch und Störung der Religionsausübung bestraft. Die Höhe der Geldstrafe wurde aufgrund des geringen Einkommens des Künstlers zwar auf 700 Euro reduziert, doch Karle kündigte an in Berufung gehen zu wollen.

Fazit

Protest- oder Kunstaktionen in Kirchen sind immer wieder Thema vor Strafgerichten. Vor einigen Monaten verurteilte das Amtsgericht Köln eine junge Studentin, die während der Weihnachtsmesse auf den Altar des Kölner Doms gesprungen war. In diesem Fall verurteile das Gericht die Angeklagte wegen Störung der Religionsausübung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro. (NH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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