Strafrecht

Ist ein menschlicher Fingerabdruck doch nicht individuell?

Immer wieder durch Fernsehserien verbreitet und auch in deutschen Gerichten klassisch anerkannt. Der Täter wird durch einen Fingerabdruck, auch Daktylogramm genannt, am Tatort überführt. Doch ist der Fingerabdruck wirklich als Beweismittel im Strafverfahren aussagekräftig genug?

Ein Fingerabdruck ist kein sicheres Beweismittel ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Ein Fingerabdruck ist kein sicheres Beweismittel ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Aktuelle Studien wollen nun ein erhebliches Fehlerpotenzial erkannt haben.

Ein Fingerabdruck stellt einen Abdruck der Papillarleisten, also der kleinen Linien, an der Fingerkuppe dar. Dabei wird der Fingerabdruck durch das Grundmuster, die groben Merkmale wie Schleifen, Bögen und Windungen, durch Endungen und Verzweigungen der einzelnen Papillarleisten, sogenannten Minutien, und der allgemeinen Porenstruktur individualisiert. Gerade da sich die Minutien erst bei dem Wachstum ausbilden, ging man in der Daktyloskopie von einer Individualität jedes einzelnen Fingerbadruckes aus.

Nach einer Studie der amerikanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahre 2009 stellt diese die These auf, dass außer einer Identifizierung durch eine DNA- Analyse kein anderes Verfahren sicher sei, da aufgrund mangelnder Forschung die anderen Verfahren, also auch der Fingerabdruck, kaum untersucht und belegt worden seien.

In Deutschland reicht der Fingerabdruck als Beweis aus

In Deutschland gilt gemäß des BGH Urteils vom 11.06.1952 der Beweis einer Identität als geführt, wenn bei einer Nichterkennung des Grundmusters zwölf und bei einer Erkennung acht Minutien übereinstimmen.

Allgemeine Unsicherheit

Auch gilt es allgemein als sehr kritisch, einen Fingerabdruck alleine ausreichend zu lassen. So mangelt es oft schon an einer ausreichenden Qualität dieser Abdrücke. Wissenschaftler regten daher schon seit geraumer Zeit Kritik an dem Verfahren der Identitätsfeststellung an, da Fingerabdrücke doch sehr ähnlich seien können und sich oft nur an Kleinigkeiten unterscheiden.

In anderen Ländern Europas sieht das anders aus

In Spanien gilt im Vergleich zu Deutschland ein Identitätsfeststellung erst ab zehn Minutien bei einer Erkennbarkeit des Grundmusters, in der Schweiz und Großbritannien werden zehn und in Italien sogar sechzehn übereinstimmende Minutien gefordert.

Große Debatte in Amerika

Nach dem Kriminologen Simon A. Cole liegt die Fehlerrate in Amerika bei der Identifizierung durch den Fingerabdruck bei mindestens 0,2 bis 2,5 Prozent.

Auch vermehrte Fehlfestnahmen- und Verurteilungen sind bekannt geworden.

Diese Tatsachen führten zu einer großen Debatte in Amerika, ob und inwieweit der Fingerabdruck zur Identitätsfeststellung geeignet sei.

Forensische Verfahren insgesamt unsicher

Auch weitere forensische Verfahren wie der Bissspuren oder der Schuhsohlen vergleich kommen bei den aktuellen Studien nicht gut weg. So wird vermehrt auch Kritik gegenüber diesen geltend gemacht.

Welche Auswirkungen diese Kritik und die Studien auf das deutsche Strafverfahren und die Beweiswürdigung haben wird, ist momentan noch unklar.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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