Strafrecht

Fake-Inkasso – DE-C, DE-D oder DED Group will Glücksspiel-Forderungen eintreiben

Wieder sind betrügerische Fake-Inkasso-Schreiben im Umlauf: Die „Deutsch-Europäische Collections Group“ versendet in verschiedenen Namensvariationen Briefe mit offenbar erfundenen Forderungen im Namen eines wohl ebenfalls nicht existierenden „Fachverbandes der Lotterie und Glückspielanbieter“. Doch was ist zu tun, wenn man einen solchen Brief erhalten hat?

Inkasso-Schreiben erhalten? Es könnte fake sein

Es ist nicht die erste Welle von Fake-Inkasso-Schreiben, die Verbraucher verunsichert. Bereits seit Jahresanfang 2017 erreichten sie zahlreiche betrügerische Briefe einer Firma namens „Deutsch-Europäische Collections Group“. Anfangs gab sie sich noch den Zusatz „DE-C“, danach handelte sie unter dem Namen „Deutsch-Europäische Collections Group DE-D“ und schließlich als „DED Group“. Aussehen der Briefe und Vorgehensweise sind jedoch ähnlich:

In der ersten Welle von Briefen forderte die Firma mit angeblichem Sitz in Aachen im Namen des „Fachverbandes der Lotterie und Glückspielanbieter“ offene Beitragszahlungen, Mahnkosten und vorgerichtliche Inkassokosten in Höhe von 795,00 Euro. Zugleich bot sie eine Art „Frühzahlerrabatt“ an: Wer innerhalb der nächsten drei Tage überweise, müsse nur 315 Euro zahlen. Der Betrag sollte auf ein Konto in Bulgarien überwiesen werden. Im Falle der Nichtzahlung wurden weitere Schritte wie ein gerichtliches Mahnverfahren und ein Schufa-Eintrag angedroht. Als Sitz war eine Adresse in Aachen angegeben, als Kontakt eine gmail-Adresse. Im April veränderte die „Firma“ ihren Namen minimal und nannte sich nun „Deutsch-Europäische Collections Group DE-D“. Die Forderung sollte auf eine Bankverbindung in Rumänien überwiesen werden. Als Kontoinhaber war „DED Invest Concept SRL“ angegeben. Inzwischen nennt sie sich DED Group und gibt eine Telefonnummer in England an. Wieder soll die Überweisung nach Rumänien gehen. Die vermeintlichen „Vergleichsangebote“ sind nun geringer: Die Empfänger sollen innerhalb von drei Tagen 254 Euro überweisen.

Der Clou an der Sache ist: weder existiert offensichtlich diese Firma, noch die vermeintlich dahinter stehende Fachverband der Lotterie und Glückspielanbieter. Das vermeintliche Inkasso-Unternehmen und der Verband sind im Internet nicht zu finden. Ein Anwalt berichtet, dass sein Schreiben an die Inkasso-Firma als unzustellbar zurückgekommen sei. Auch die Polizei geht davon aus, dass die Firma nicht existent ist und es sich um Betrüger handelt. Es handelt sich also um Fake-Inkasso-Schreiben, um Verbraucher zu verunsichern und abzuzocken.

Was sollten Betroffene tun?

Das Wichtigste zuerst: Man sollte keinesfalls zahlen! Summen, die an eine dubiose, nicht existente Firma im Ausland überwiesen werden, erhalten Sie nie zurück, da die Verantwortlichen längst über alle Berge sind.

Die Frage ist: sollte man darüber hinaus noch etwas tun, um einen angedrohten Eintrag bei der Schufa zu vermeiden? Grundsätzlich kann man Betroffene hier beruhigen. Nur die Vertragspartner der Schufa können Kredit-Merkmale melden. Die Schufa ihrerseits erteilt Auskünfte nur an ihre Vertragspartner. Die Abzockerfirmen sind größtenteils jedoch keine Schufa-Mitglieder; das gilt oft ebenfalls für die sie vertretenden Rechtsanwälte. Bereits die Drohung mit dem Schufa-Eintrag ist oft rechtswidrig.

Auf der anderen Seite ist natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass die Betrüger auf dem einen oder anderen Wege ihre unberechtigten Forderungen bei einer Auskunftei als Vertragspartner „einschmuggeln“. Denn grundsätzlich können Inkassobüros berechtigt sein, Forderungen dort einzutragen. Daher ist es im Zweifelsfall immer besser ist, eine Forderung zu bestreiten. Denn eine Forderung, die bestritten wurde, darf nicht eingetragen werden. Daher kann man natürlich, um sicher zu gehen, die eMail-Adresse nutzen, um zeitnah einen Widerspruch zu verfassen. Die postalische Adresse zu nutzen, ist zumindest pro Forma eine Idee – nur wird man damit nicht viel Erfolg haben, wenn die Firma dort tatsächlich nicht sitzt. In dem Schreiben sollte man deutlich mitteilen und erklären, dass und warum man den geforderten Betrag nicht bezahlen wird und dass die Forderung unberechtigt ist. Außerdem sollte man im selben Schreiben eine Frist von drei Wochen ab Zugang setzen, innerhalb der man die Bestätigung erbringen soll, dass die Forderung tatsächlich unberechtigt war.

Außerdem sollte man eine Strafanzeige bei der Polizei stellen und der Anzeige das Anschreiben der Betrüger beifügen.

Was ist überhaupt Inkasso?

Wie funktioniert überhaupt seriöses Inkasso? Hier verkauft ein Unternehmen, mit dem der Betroffene einen Vertrag hat, die daraus resultierende Forderung. Hierzu wird sie (falls sie denn besteht) abgetreten. Für das Unternehmen hat das den Vorteil, dass sie sich nicht mehr selbst kümmern müssen. Das Inkassobüro zahlt für jede einzelne Forderung einen relativ geringen Betrag von zehn bis 20 Prozent der Hauptforderung und handelt von diesem Moment an auf eigene Rechnung. Das heißt, das ursprüngliche Unternehmen hat mit der offenen Forderung überhaupt nichts mehr zu tun. Von nun an muss das Inkassobüro versuchen, Gewinn zu erwirtschaften. Das geht nur, indem es die offene Forderung beim angeblichen Schuldner eintreibt. Kann das Inkassobüro keinen Zahlungseingang herbeiführen, so verdient es kein Geld.

Nicht jeder darf Inkasso betreiben. Inkassounternehmen dürfen nur dann tätig werden, wenn sie bei einer Aufsichtsbehörde registriert sind, und zwar beim zuständigen Land- oder Oberlandesgericht (je nach Bundesland).

Das Problem mit den Fake-Inkasso-Schreiben

Die Betrüger spielen mit der Angst der Kunden und hoffen, dass sie den Betrag lieber bezahlen, als sich damit auseinanderzusetzen. Häufig haben sie damit Erfolg. Fake-Inkasso-Schreiben sind daher ein großes Problem sowohl für die betroffenen Verbraucher als auch für die seriösen Inkassounternehmen, deren Ruf in Mitleidenschaft gezogen wird.

Verbraucher sollen auf zahlreiche Arten um ihr Geld gebracht werden. Entweder das dahinter stehende Unternehmen und das Fake-Inkasso-Büro sind identisch – oder aber die Betrüger arbeiten mit unseriösen Inkassobüros zusammen, in einigen Fällen sogar mit dubiosen Anwaltskanzleien. Hierzu erfinden die Betrüger immer neue Methoden, um angebliche Verträge und Forderungen vorzuspiegeln. Es kann sich hierbei um Internetbetrug, Abofallen, Telefonabzocke oder um Gewinnspielunternehmen handeln. Sehr häufig benutzen Betrüger die Logos oder fälschen sogar E-Mail-Adressen bestehender Unternehmen, um ihren falschen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Das ist eine neue Form von Kriminalität, oft regelrecht organisiert.

Woran erkennt man ein Fake-Inkasso-Schreiben?

Folgende Schritte sollte man für sich prüfen, wenn man ein Inkasso-Schreiben erhalten hat:

  1. Ist die Forderung unbekannt?
  2. Ist die Forderung genau beschrieben? Inkassounternehmen müssen bereits bei der ersten Mahnung genaue Angaben zur Forderung machen – zum Beispiel den Namen oder die Firma des Auftraggebers sowie den Grund für die Forderung nennen. Verdächtig ist hingegen, wenn in dem Schreiben keine genauen Angaben zur Forderung stehen. Denn echte bzw. seriöse Inkassobüros unterliegen bestimmten Informationspflichten und müssen bereits im ersten Mahnschreiben den Grund, die genaue Höhe sowie die Zinsen und den Namen sowie die Anschrift des Inkassobüros nennen.
  3. Worum handelt es sich? Die angeblichen Forderungen stammen häufig von einer angeblichen Teilnahme an einem Gewinnspiel beispielsweise oder vermeintliche Anrufen bei einer Erotik-Hotline. Auch die Verwendung von Musik-Streaming-Diensten, im Internet oder am Telefon abgeschlossenen Verträgen wie etwa der Gebrauch von Internet-Routenplanern sind beliebt. Betrüger erfinden aber auch immer neue Methoden, um angebliche Verträge und Forderungen vorzuspiegeln.
  4. Diese Forderungen kommen nicht nur per Brief, sondern häufig per eMail oder per SMS.
  5. Stimmen die Angaben im Briefkopf mit dem Rest überein?
  6. Verwendet das Unternehmen z.B. eine deutsche Adresse, verweist die Bankverbindung aber ins Ausland – zu erkennen an den ersten beiden Buchstaben der IBAN -, ist Vorsicht geboten! Das erkennt man an den beiden ersten Buchstaben der IBAN. Hier sollte ein »DE« für Deutschland stehen.
  7. Unseriöse Inkassounternehmen bzw. Betrüger erkennt man darüber hinaus auch daran, dass sie in ihren Zahlungsaufforderungen zweifelhafte Drohungen aussprechen und hierdurch den vermeintlichen Schuldner einschüchtern möchten. Gedroht wird beispielsweise mit einem Schufa-Eintrag, der Kontopfändung, Lohnpfändung, Beauftragung eines Gerichtsvollziehers etc. All diese Maßnahmen sind rechtlich haltlos und dürften im Zweifelsfall überhaupt nicht durchgeführt werden.
  8. Inkassounternehmen brauchen eine Registrierung! Man kann daher checken, ob das Unternehmen unter www.rechtsdienstleistungsregister.de aufgeführt ist. Nur dann darf es überhaupt Inkasso durchführen.
  9. Wenn man all dies geprüft hat und immer noch unsicher ist, sollte direkt beim (angeblichen) Inkassounternehmen nachfragen. Seriöse Firmen werden alles tun, um den Zahlungspflichtigen den Anspruch des Gläubigers klar und deutlich darzulegen. Unseriöse Firmen sind im Zweifel nicht einmal erreichbar.
  10. Informieren Sie sich bei den Verbraucherzentralen, der Polizei oder online, ob andere bereits ähnliche Schreiben erhalten haben.

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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