Medienrecht

Sportübertragungen: VPRT kritisiert Vorstoß auf Rechtemarkt

Der Vorstoß von ARD und ZDF, mit Änderung des Rundfunkstaatsvertrages Einfluss auf die Sportrechtevergabe zu nehmen, ist beim VPRT auf Kritik gestoßen.

Sportübertragungen sind häufig Publikumsmagnete im TV. Vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender sind bemüht, sich die Übertragungsrechte für Großereignisse zu sichern. So erzielte die Handball-WM 2016 Spitzenquoten, 12,98 Millionen Zuschauer sahen das Finale, der Marktanteil lag bei 42,0 %. Nun gibt es aber ein Problem mit der Handball-WM 2017.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Verschlüsselte Ausstrahlung

Weil der Rechteinhaber BeIn die Ländergrenzen wahren will, vergibt er die TV-Rechte nur, wenn sie verschlüsselt ausgestrahlt werden. Allerdings haben die Öffentlich-Rechtlichen deswegen keine Möglichkeit, die Weltmeisterschaft auszustrahlen, da durch eine Verschlüsselung deutsche Satellitenzuschauer die Übertragung nicht sehen könnten.

Handball auf Free-TV-Liste

Mit einer Änderung des Rundfunkstaatsvertrages wollen nun ARD und ZDF mehr Spielraum bei der Ausstrahlung von Handball-Spielen bekommen. So soll künftig Handball als gesellschaftliches Großereignis auf der Free-TV-Liste des Staatsvertrages eingetragen werden. Die geltende Listenregelung des § 4 RStV verfolgt das Ziel, den Zuschauern zu besonders wichtigen Programminhalten einen kostengünstigen Zugang zu gewährleisten.

Ereignisse gesellschaftlicher Bedeutung

So heißt es dort: „Die Ausstrahlung im Fernsehen von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland verschlüsselt und gegen besonderes Entgelt ist nur zulässig, wenn der Fernsehveranstalter selbst oder ein Dritter zu angemessenen Bedingungen ermöglicht, dass das Ereignis zumindest in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland zeitgleich oder, sofern wegen parallel laufender Einzelereignisse nicht möglich, geringfügig zeitversetzt ausgestrahlt werden kann.“ Zu den Großereignissen gehören u.a. die Olympischen Sommer- und Winterspiele, Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften oder Champions League, UEFA-Cup mit deutscher Beteiligung. Die Handball-WM steht jedoch bislang nicht auf dieser Liste.

Kritik vom VPRT

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) hat jetzt dazu Stellung genommen. So sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Tobias Schmid: „ARD und ZDF versuchen mit dem Ruf nach neuen gesetzlichen Eingriffen, private Medienunternehmen aus dem Markt zu drängen und sich so ein Monopol auf sportliche Großereignisse zu sichern. Das Ansinnen von ARD und ZDF, gesetzliche Voraussetzungen jeweils so definieren zu lassen, dass nur noch sie die Rechte für bestimmte Sportübertragungen erwerben könnten, ist mehr als durchsichtig.“

Zudem werde mit der Erweiterung der Liste von Großereignissen versucht, Marktmechanismen außer Kraft zu setzen, so Schmid. „Es schadet dem Sport, der Medienvielfalt und einem konkurrenzfähigen und stabilen dualen System. Wir warnen davor, dass sich dieser Ansatz durchsetzen wird. Wir sollten lieber gemeinsam dafür sorgen, dass die Bevölkerung weiterhin auf das beste und vielfältigste Fernsehangebot in Europa zugreifen kann, in dem selbstverständlich auch durch private Free- und Pay-TV-Angebote ein umfassendes Sportprogramm angeboten wird.“

Der VPRT spricht sich daher gegen eine Erweiterung der gesetzlichen Bestimmungen für die Übertragung von sportlichen Großereignissen und gegen einen Eingriff in den Rechtemarkt aus, heißt es in der Meldung des VPRT weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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