Schweden und Finnland als Hot Spot der Games Industrie - Insights in eine nordische Erfolgsstory
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Schweden und Finnland als Hot Spot der Games Industrie – Insights in eine nordische Erfolgsstory

Das Wetter mag im hohen Norden vor allem im Winter düster und kalt sein. Die nordische Games Industrie hingegen ist einer der Hotspots der europäischen Gamesindustrie. Die Teilnahme an einer vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Geschäftsanbahnungsreise hat unserer Spezialistin für die Gamesbranche interessante Einblicke geliefert.

Der Erfolg der nordischen Ländern lässt sich ganz nüchtern an Zahlen ablesen: So betrug der Umsatz, der in Schweden 2016 durch schwedische Spieleentwicklungen generiert wurde, 1.325 Millionen Euro (lt. Swedish Game Developer Index 2017-2018).

Im Vergleich dazu fällt der Anteil der deutschen Spieleentwickler am Gesamtmarkt von ca. 2 Mrd. Euro mit ca. 6,4 % bzw. ca. 123 Millionen Euro vergleichsweise gering aus. Deutschland ist im internationalen Vergleich als Entwicklungsstandort für Games nach dem Jahresbericht des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware BIU kaum relevant. Wir sind in Bezug auf Spiele ein Importland. So wurden im Jahr 2016 ca. 95 % aller Spiele importiert.

Ist Deutschland bei der Spieleentwicklung konkurrenzfähig?

Die Ursache für diese Diskrepanz im internationalen Vergleich wird vielfach darin gesehen, dass die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Computer- und Videospielen in Deutschland nicht konkurrenzfähig sind.

Wenn wir als Entwicklerstandort international endlich aufholen wollen, muss die Entwicklungsförderung auf Bundesebene nach der Bundestagswahl schnell kommen, so wie es sie in Großbritannien, Frankreich oder Kanada längst gibt.“ sagt Felix Falk, BIU-Geschäftsführer.

„In Deutschland beträgt der Anteil öffentlicher Förderung an der Finanzierung von Games-Entwicklern lediglich 2,6 Prozent. Im Vergleich zu Ländern, die international besonders erfolgreich bei der Gründung und Ansiedlung von Games-Unternehmen sind, ist dies deutlich unterentwickelt. So beträgt der durchschnittliche Förderanteil in Großbritannien 17 Prozent und in Kanada (Ontario) sogar rund 32 Prozent.“

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der Games-Branche in Schweden und Finnland?

Die Schweden allerdings haben es auch ohne Förderung geschafft. Aus den Meetings mit Firmen wie Massive Entertainment (Malmö), Avalanche und Dice (Stockholm) sowie Rovio (Helsinki) und den Verbandsvertretern von Neogames (finnischer Games-Verband), Tekes (Games-Förderung Finland) und Swedish Games Industry (schwedischer Games-Verband) wurde klar, dass der nordische Erfolg auch eine Symbiose von weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ist:

Interessant war zu hören, dass es zwischen den erfolgreichen Ländern Schweden und Finnland kaum Wettbewerbsdenken gibt. Beide Länder haben sehr schnell erkannt, dass der eigene Markt zu klein ist, der globale Markt hingegen groß genug für beide. Daher sei es klüger, im heimischen Markt zu kooperieren, um stark genug für den globalen Markt zu sein. Daraus hat sich eine Mentalität des gegenseitigen Unterstützens entwickelt.

I don´t believe in brain drain – you go abroad as a junior, get educated in other countries and come back with more knowledge as a senior. Where is the Problem?“, so das Statement von Koopee Halunen, Direktor des finnischen Gamesverbandes „NeoGames“, das diese „Sharing Mentalität“ ganz gut bezeichnet.

Wofür interessieren sich die Spieler wirklich?

Games werden daher auch vornherein für den globalen Markt entwickelt. Der maßgebliche Blickwinkel bei der Gamesentwicklung liegt dabei auf dem Spieler, was auch stets mit einer gewissen Selbstkritik einhergeht:

Stop assuming that you understand the market. Appreciate that you know nothing and optimise your approach to finding what the players are truly interested in.” bekannte Mika Kuusisto, CEO Kopla Games/Finnland eindrücklich. Dies kann durchaus dazu führen, dass die Entwicklung eines Spieles abgebrochen wird, wenn man sieht, dass es nicht funktionieren wird. Denn: „You might not safe the game, but you safe your company“.

Investment in Startups

Ein weiterer wesentlicher wirtschaftlicher Faktor ist das Investment etablierter Firmen in Start Ups und Inkubatoren. Die Firmen sehen ihren Erfolg gleichzeitig als Verantwortung, etwas davon in den Markt zurück zugeben.

In Finnland haben eine „wichtige Funktion in der Start-up-Finanzierung sogenannte Business Angels, weil sie die Unternehmen in ihrer frühen Phase unterstützen, wenn zwar schon Ideen für die Kommerzialisierung von Produkten und Dienstleistungen vorhanden sind, aber der finanzielle Rahmen fehlt. Finnlands Business Angel Netzwerk (FiBAN) ist eines der größten und aktivsten Business Angel-Netzwerke in Europa mit über 640 zugelassenen Mitgliedern. Finnische Unternehmen haben über dieses Netzwerk im Jahr 2016 53 Millionen Euro in 325 Start Ups investiert.“

Ohne Zweifel profitieren die etablierten Firmen von den Innovationen der jungen Game Developer.

Fazit der Reise: Zusammenarbeit ist manchmal besser als Konkurrenz

Es verwundert angesichts des wirtschaftlichen Erfolges nicht, dass Gameing in den nordischen Ländern den Status einer exotischen und fragwürdigen Freizeitbeschäftigung überwunden hat und längst ein anerkannter Bestandteil nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft geworden ist. Dementsprechend sind Schulen mit digitalen Geräten gut ausgestattet.

Ein Fazit von mehreren aus dieser aufschlussreichen Reise ist, dass sich Erfolgschancen erhöhen, wenn sich Interessen auf überregionaler Ebene zusammenfinden und vertreten werden.

Dass sich die beiden deutschen Verbände BIU und GAME zu einem neuen gemeinsamen Verband der deutschen Games Branche zusammenschließen, ist daher eine gute Nachricht. Bleibt zu hoffen, dass der neue Verband mit neuem Gewicht eine Verbesserung der Förderbedingungen in Deutschland erreichen kann.

Wir beraten Sie gern bei Fragen zur Gamesförderung, Game-Vertrags- und Lizenzrecht

Die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE hat sich seit vielen Jahren u.a. auf den Bereich der Gamesförderung sowie des Game-Vertrags- und Lizenzrecht fokussiert. Rechtsanwältin Renate Schmid berät Sie gern. Kontaktieren Sie uns daher gern unter schmid@wbs-law.de oder melden Sie sich telefonisch unter der Rufnummer 0221 / 9688 8179 71 (Beratung bundesweit).

rs

Renate Schmid war viele Jahre als Syndikusanwältin für die TV-Produktionsfirma Sony Pictures Film und Fernseh TV GmbH tätig, bevor sie 2014 zur Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE wechselte. Sie verfügt über eine fundierte Erfahrung in vielen Bereichen der nationalen und internationalen Urheberrechts- und Lizenzverträge.

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