Medienrecht

RTL2 verstößt gegen Jugendmedienschutz

Der Privatsender RTL2 hat mit einer Programmankündigung für die Zombieserie „The Walking Dead“ gegen den Jugendmedienschutz verstoßen.

Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte eine Programmankündigung für die Serie „The Walking Dead“ geprüft, die am 27.10.2014 in den RTL 2 News um 20 Uhr gesendet wurde.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Nach Ansicht der Jugendschützer sei dies laut Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) eine unzulässige Programmankündigung mit Bewegtbildern gewesen.

Beitrag über „Zombieschule“

Die Programmankündigung für „The Walking Dead“ war in einen Beitrag über eine „Zombieschule“ eingebettet. Darin war zu sehen, wie die praktische Arbeit einer „Zombieschule“, in der auch die Darsteller der Serie „The Walking Dead“ ausgebildet werden, aussieht. Allerdings sei es aus jugendschutzrechtlicher Sicht problematisch gewesen, dass auch Bewegtbilder aus der Serie „The Walking Dead“ gezeigt wurden, so die Meldung der KJM. Die Serie wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle ab 16 bzw. ab 18 Jahren freigegeben.

Jugendmedienschutz auch bei Programmankündigung

Man habe den Beitrag auch deshalb als Programmankündigung gewertet, da konkret auf den Sendestart und die Inhalte der vierten Staffel der Serie hingewiesen wurde, so die Begründung der KJM. Allerdings unterliegen gemäß dem JMStV Programmankündigungen mit Bewegtbildern für Sendungen, die aus Jugendschutzgründen erst ab 22 Uhr oder 23 Uhr ausgestrahlt werden dürfen, derselben Sendezeitbeschränkung wie die angekündigte Sendung selbst. Damit soll verhindert werden, dass für Kinder und Jugendliche Anreize geschaffen werden, die zu ihrem Schutz eingeführten Sendezeitregelungen zu missachten. Man habe die LPR Hessen als zuständige Landesmedienanstalt gebeten, das Beanstandungsverfahren weiterzuführen und den Sender aufzufordern, den Verstoß künftig zu unterlassen, so die Meldung des KJM weiter.

„The Walking Dead“ bereits zuvor in der Kritik

Die international erfolgreiche Serie „The Walking Dead“ steht aufgrund ihrer gewalttätigen Szenen öfter in der Kritik. So durfte die erste Folge der fünften Staffel auch im deutschen Pay-.TV nur unter Schnittauflagen gesendet werden. In der Originalfassung wurde die Episode als schwer jugendgefährdend eingeschätzt, was eine Sendeunzulässigkeit nach sich zieht, urteilte die Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen FSF damals.

In der beanstandeten Folge sei in den ersten vier Minuten eine Intensität von Gewalt zu sehen, die als nicht sendefähig befunden wurde, da sie mit grausamen Details weit über das dramaturgisch Notwendige hinausgehe (§ 30 Satz 2 Nr. 1d PrO-FSF), hieß es damals in der Begründung.

Die Gewalt sei dabei sehr realistisch und in expliziter Nahaufnahme inszeniert, zudem sei die Szene zynisch und mitleidlos. Für die Ausstrahlung im Nachtprogramm müsse diese Szene entfernt werden, so das Mehrheitsvotum des Ausschusses. Die Minderheit schätzte die Folge auch in der Schnittfassung als sendeunzulässig ein. Der Pay-TV Sender FOX hatte damals angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Schnittauflage einzuleiten. Da keine endgültige Entscheidung bis zur Erstausstrahlung getroffen wurde, durfte die Szene jedoch nicht gesendet werden. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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