Medienrecht

Rommel-Film: Produktionsfirma geht gegen Kritiker vor

Wurde anfangs noch das Gespräch zwischen den Machern des Rommel-Films und den Nachfahren des Generalfeldmarschall gesucht, spitzt sich nun der Streit um das SWR-Biopic über Erwin Rommel auf einer anderen Ebene zu.

Nach Angaben des „Focus“ versuche die Produktionsfirma Teamworx kritische Kommentare zu dem Projekt juristisch zu unterbinden. Die Stuttgarter Historikerin Cornelia Hecht habe eine von Teamworx veranlasste Unterlassungserklärung bekommen, worin ihr Kritik an dem Rommel-Film untersagt werde. Hecht war als wissenschaftliche Beraterin für das Projekt engagiert gewesen, habe aber den Vertrag wegen Differenzen Anfang November gekündigt.

Hecht hielt den Produzenten vor, sich an einem veralteten Forschungsstand über Rommel zu orientieren. Gegenüber dem Focus sagte sie, die Darstellung des Rommel sei fragwürdig, da sie „weit hinter das zurückfällt, was die Wissenschaft an Erkenntnissen über Rommel und den Widerstand“ gegen die Nationalsozialisten erreicht habe. In einem früheren Interview mit dem Focus sagte sie zudem, dass es nach ihrer Kritik „nie eine wirkliche Diskussion gegeben“ habe.

SWR-Intendant Peter Boudgoust sagte zu den Vorwürfen, die Hecht Ende Oktober verlauten ließ, in einer Pressemeldung des SWR: „Auf keinen Fall werde ich zulassen, dass `Rommel‘ auch nur in die Nähe von revisionistischem Gedankengut gerückt wird. Den Vorwurf ‚braune Soße‘ in dem Film zu verarbeiten, weise ich mit aller Entschiedenheit zurück.“ SWR-Fernsehfilmchefin Christine Strobl betonte, man habe sich bei den Recherchen zu dem Film mit der ganzen, aber vor allem der neueren und neuesten wissenschaftlichen Forschung zu Rommel auseinandergesetzt. „Allerdings in dem Wissen, dass jede der Quellen auf Herz und Nieren zu prüfen ist und in einem Unrechtssystem wie dem Dritten Reich keine absolute Wahrheit bieten kann“, so Strobl in der Meldung des SWR.

Ebenfalls betroffen sei der Potsdamer Militärhistoriker Bernhard Kroener, der nach Angaben des Focus von der Rechtsabteilung von Teamworx in einem Schreiben auf seine Verschwiegenheitspflicht hingewiesen wurde. Der Historiker Hans Mommsen sagte gegenüber dem Magazin: „Verträge, in denen Historiker zum Stillschweigen verpflichtet werden, halte ich für unvereinbar mit der Wissenschaftsfreiheit.“

Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg, für das auch Hecht tätig ist, sagte gegenüber dem Focus: „Gerade bei einem Thema, das mit der NS-Herrschaft zusammenhängt, sollte doch das Recht auf freie Meinungsäußerung gelten. Was erwartet eine Produktionsfirma eigentlich von einer Beraterin, deren kritische Einwände offenbar nicht gefragt sind?“

Der im Auftrag der ARD von der Firma Teamworx produzierte Film soll im Herbst 2012 in der ARD ausgestrahlt werden.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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