Medienrecht

Regelungen für Werbung im Fernsehen werden liberaler: Private TV-Sender dürfen mehr Werbung ausstrahlen

 

Die zeitliche Beschränkung von Werbung im europäischen Privatfernsehen soll abgeschafft werden. Dies geht aus einem Positionspapier hervor, dass Bund und Länder der europäischen Kommission vorgelegt haben.

Regelungen für Werbung im Fernsehen werden liberaler: Private TV-Sender dürfen mehr Werbung ausstrahlen© ferkelraggae-Fotolia

Regelungen für Werbung im Fernsehen werden liberaler: Private TV-Sender dürfen mehr Werbung ausstrahlen© ferkelraggae-Fotolia

Fernsehsender können sich über diese Nachricht freuen. Den Verbraucher wird es wahrscheinlich eher ärgern. Laut einem Positionspapier soll die zeitliche Beschränkung von Werbung im Fernsehen aufgehoben werden. Fernsehwerbung würde ab dann deutlich liberaler und flexibler von privaten TV-Sendern gestaltet werden können.

Bis dato gelten quantitative Werberegeln, die TV Sender dazu drängen, Werbespots einer strengen zeitlichen Begrenzung zu unterziehen. Pro Sendestunde darf im Durchschnitt nur zwölf Minuten Werbung laufen. Abstände zwischen den Werbeblöcken von bis zu 20 Minuten müssen eingehalten werden, bei Filmen beträgt der Zeitraum bis zu 45 Minuten.

Größere Flexibilität für Fernsehsender bei der Werbeausstrahlung

Schon seit geraumer Zeit fordern Privatsender wie RTL und Co., eine Überarbeitung der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AMVD-Richtlinie). Größere Flexibilität bei der Werbeausstrahlung und die Möglichkeit der Einblendung von Einzelspots wird gefordert.

Das Positionspapier trägt dieser Forderung Rechnung und möchte lineare den nichtlinearen Inhalten gleichstellen. Die abhängige Übertragung von Fernsehinhalten von bestimmten Sendezeiten wird als linearer Inhalt bezeichnet. Diese Möglichkeit des „normalen“ Fernsehschauens, wird von den meisten Verbrauchern abgelöst durch die Nutzung von Filmen und Serien in sogenannten Webstreams (nichtlineare Inhalte). Auf diese Dienste haben Zuschauer jederzeit Zugriff über Mediatheken wie Amazon Prime, Netflix oder Maxdome.

Im Unterschied zum Fernsehen gelten bei diesen Online-Diensten völlig andere rechtliche Regelungen. Sie sind keinen zeitlichen Werbebeschränkungen unterworfen und unterliegen somit keiner Regulierung.

Private TV-Sender sollen die gleichen Werbechancen erhalten wie YouTuber

Verbraucher fluchen zwar über zu viel Werbung. Dies sieht der Gesetzgeber jedoch anders und vertritt anscheinend die Meinung, dass das Fernsehen in der sich entwickelnden digitalen Welt eine Daseinsberechtigung besitzt und finanzierbar sein muss. Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Frau Monika Grütters von der CDU betont, dass die Medienvielfalt gewahrt werden soll und für alle Medienanbieter faire Wettbewerbschancen geschaffen werden müssen. Für YouTuber beispielsweise gelten verglichen zum Fernsehen nur ganz allgemeine Grundregeln, sodass eine Finanzierung von YouTube Videos im vollen Umfang durch Werbespots ermöglicht wird. Durch die Liberalisierung von Werbebeschränkungen soll Fernsehsendern diese Möglichkeit jetzt auch geboten werden.

Hassreden im Fernsehen bald verboten

Vor einem Jahr wurde eine Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz eingesetzt. Mit dem Positionspapier werden jetzt die erarbeiteten Ergebnisse präsentiert. Inhalt des Positionspapiers sind auch Vorschläge zum Jugendschutz und zum europaweiten Verbot von Hassreden im Fernsehen.

Die EU-Kommission plant bis zum Sommer 2016 die europäische Richtlinie über visuelle Mediendienste neu zu verfassen und die Vorschläge der Kommission zur Medienkonvergenz umzusetzen. Von der Regelung nicht betroffen sein sollen Nachrichten, Kindersendungen und Gottesdienstübertragungen. Bei diesen Sendungen sollen Werbeunterbrechungen weiterhin verboten bleiben.

Sollte das Positionspapier durch die EU-Kommission umgesetzt werden, dürfen Verbraucher sich auf noch mehr Werbung im Fernsehen einstellen. Insbesondere kurze Werbespots, wie in Amerika, dürften bald öfters zu sehen sein. Die einzige Möglichkeit die Verbrauchern dann noch bleibt, um lästige Werbung zu umgehen, ist auf öffentlich-rechtliche Sender umzuschalten. NS

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Joachim sagt:

    Und wieder ein weiterer Schritt für den Werbewahn in den öffentlichen Medien. Kann mir mal einer erklären, warum Werbung immer mehr werden muss ?
    Erst die ganze AdBlocker-Abmahn-Verteufelung und nun sollen die TV-Sender auch noch viel viel mehr Werbung zeigen dürfen…

    Ich wäre für eine Änderung der Namensgebung für private TV-Sender.
    Sie sollten in Zukunft private Werbe-Sender heißen.
    Da kann sich dann jeder mehr oder weniger freiwillig 24 Stunden am Tag Werbung ansehen so viel und lange er will.

    Wie wäre es mit werbewirksame Sendernamen wie:
    Pro-Werbung oder Werbung-Sat ?
    Auch Super-Werbung wäre eine gute zukünftige Bezeichnung.

    Wenn sich die privaten Sender nur durch 90% Werbeausstrahlung finanzieren können, dann sollte man sie eher ganz abschaffen. Mich würde es nicht stören, denn ich schaue schon seit Jahren kein TV mehr. Ist mir einfach zu viel Werbung geworden.

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