Medienrecht

Reality-Show – Kriminalhauptkommissar darf mitwirken

Das Oberverwaltungsgericht NRW mit Sitz in Münster hat in seiner Entscheidung vom 13.04.2016 (AZ: 6 A 881/15) entschieden, dass ein im Dienste des Landes NRW stehender Kriminalhauptkommissar an zwei, im Privatfernsehen ausgestrahlten TV-Shows mitwirken darf. Damit hat es die Entscheidung des vorinstanzlichen Gerichtes bestätigt.

Reality-Show – Kriminalhauptkommissar darf mitwirken ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Reality-Show – Kriminalhauptkommissar darf mitwirken ©-Thomas-Jansa-Fotolia

Vorgesetzter verbietet Teilnahme

Der Kriminalhauptkommissar hatte beim zuständigen Landrat eine Genehmigung hinsichtlich einer Nebenerwerbstätigkeit beantragt. Diese richtete sich auf das Mitwirken bei den beiden von RTL produzierten TV-Reality-Shows „Familien im Brennpunkt“ sowie „Verdachtsfälle.“ Dabei handelt es sich um sog. „scripted-reality“ – Formate, in denen das Hauptgeschehen einem fiktiven Drehbuch folgt. Dem Kommissar sollte dabei die Rolle zugewiesen sein, als Kommentator kriminalpräventive Erläuterungen und Ratschläge zu geben. Der Antrag wurde vom zuständigen Vorgesetzten abgelehnt mit der Begründung, er schädige das Ansehen der öffentlichen Verwaltung. Sendungen dieser Art entsprächen nicht den allgemeinen Zielen der Öffentlichkeitsarbeit und erweckten den Eindruck, es werden reale Situationen wiedergegeben, obwohl es sich um rein fiktive Vorgänge handele.

Kriminalhauptkommissar vs. Land NRW – David gegen Goliath: wer zieht den Kürzeren?

Mit diesem Ergebnis gab sich der Kriminalhauptkommissar jedoch nicht zufrieden und zog vor das Verwaltungsgericht in Aachen. Dieses entschied, dass das Land sehr wohl verpflichtet gewesen sei, dem Kläger die Genehmigung über eine solche Nebentätigkeit auszusprechen. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte mit seiner Entscheidung die Auffassung der Aachener Richter.

Zum Einen sei es schon zweifelhaft, wie eine fiktive, unauthentische Darstellung der Realität sich in tatsächlicher Hinsicht auf das Ansehen der Polizei und der öffentlichen Verwaltung auswirken könne. Zum Anderen gebe der Kläger nur kriminalpräventive Kommentare und Ratschläge ab, die in sachlicher und inhaltlicher Form zuträfen. Jedenfalls seien keine ausreichenden Anhaltspunkte anzunehmen, warum sein Mitwirken zu einer Beeinträchtigung führen sollte.

Damit gewinnt der Kriminalkommissar in diesem Fall gegen das Land NRW und darf in den genannten TV-Sendungen mitwirken. Es bleibt spannend, inwiefern dieser Beschluss als eine Art Wegweiser für gleichartige Fälle in der Zukunft verstanden werden darf.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×