Medienrecht

Produktplatzierung im „Hasseröder Männer-Camp“ nicht unzulässig

Wird in einer Live-Sendung ein Produkt eher nebenher dargestellt und musste der Zuschauer mit etwaiger Werbung rechnen, handelt es sich nicht zwangsläufig um eine unzulässige Produktplatzierung. Dies entschied das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil vom 23.07.2014 (Az.: 6 C 31.13).

Produktplatzierung im „Hasseröder Männer-Camp“ nicht unzulässig©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

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SAT. 1 vs. Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz

Konkret ging es hierbei um die Live-Sendung „Hasseröder Männer-Camp“, die vor und nach dem UEFA- Europa League- Finale im Jahr 2011 von dem Sender SAT. 1 ausgestrahlt wurde. Gezeigt werden Fußball-Experten und bis dato unbekannte Zuschauer, die über das Spiel diskutieren und dabei Bier trinken. Die Marke „Hasseröder“ ist sowohl als Aufdruck auf Sweatshirts, sowie auf den Biergläsern zu sehen. Dies sei eine unzulässige Produktplatzierung im Sinne des Rundfunkstaatsvertrages, so die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz. Das Produkt rücke zu sehr in den Vordergrund, was seit Inkrafttreten des RfStV im Jahr 2010 nur unter strengen Voraussetzungen gebilligt wird.

Länge, Häufigkeit und Anzahl der Produktplatzierung maßgeblich

Gegen den von der Landeszentrale eingelegten Beanstandungsbescheid erhob SAT. 1 vor dem Verwaltungsgericht Klage, mit der der Sender zunächst erfolgreich war. Jedoch stellte das Oberverwaltungsgericht in der Berufung fest, dass die Grenze einer zulässigen Produktplatzierung überschritten sei. Bei der Überprüfung sei stets die Herausstellung nach ihrer Art, Häufigkeit und Dauer zu berücksichtigen. Diese Darstellung des „Hasseröder-Emblems“ sei hier redaktionell nicht gerechtfertigt. Das Bundesverwaltungsgericht gab der Revision von SAT. 1 jedoch statt. So führte es aus, dass die Grenze einer un-/zulässigen Produktplatzierung nicht schon deshalb überschritten sei, weil ein hiermit verfolgter Werbezweck sich als solcher erkennbar im Sendungsgeschehen integriert. Zudem sei das Fußballspiel offensichtlich Hauptgegenstand der Live-Sendung, sodass Länge, Häufigkeit und Anzahl der Produktplatzierungen nicht überschritten seien. Die Marke werde nicht in den Fokus gerückt. Außerdem werde in Fußballsendungen ständig viel Werbung gezeigt, sodass der Zuschauer dies gewohnt ist und sich davon nicht so sehr beeinflussen lasse.

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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