Medienrecht

Product Placement: Sat.1 mit Klage gegen Rüge erfolglos

Sat.1 ist mit seiner Klage gegen eine Rüge der Medienwächter gescheitert. Der Sender war wegen Product Placement in einer Sportsendung im Rahmen einer Fußballübertragung gerügt worden.

„Männercamp“

Während der Übertragung des UEFA Europa League Finales am 18. Mai 2011 schaltete der Sender in ein sogenanntes “Männercamp”, ein abgetrenntes Areal, in dem das Spiel verfolgt und gegrillt wurde. Moderator Oliver Welke und Fußballexperte Rainer Calmund betonten bei ihren Gesprächen wiederholt und lobend die Biermarke, das Logo der Marke war zudem im Studio und im “Männercamp” auf Flaschen und anderen Gegenständen zu erkennen.

© James-Steidl-James-Group-Studios-inc.-Fotolia.com

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Zwar hatte Sat.1 den Schriftzug “unterstützt durch Produktplatzierung” eingeblendet, doch nach Ansicht der Medienwächter war die Form der Produktpräsentation zu auffällig und intensiv. Auch die häufige Erwähnung des Namens sei dramaturgisch nicht gerechtfertigt gewesen, da die Marke nicht in die Handlung eingebunden war, so die Medienwächter damals in ihrer Begründung. Für die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) waren die Grenzen zulässiger Produktplatzierung nicht eingehalten und daher sprach sie eine Rüge aus.

Produkt „zu stark“ herausgestellt

Sat.1 klagte gegen die Rüge, das Verwaltungsgericht gab der erhobenen Klage statt. Auf die Berufung der Beklagten wies das Oberverwaltungsgericht hingegen die Klage ab (Az: 2 A 10002/13.OVG). Das Oberverwaltungsgericht sah die Beanstandung der Produktplatzierung als gerechtfertigt an, da das Produkt „zu stark“ herausgestellt worden sei, so die Meldung des OVG Rheinland-Pfalz.

Kein inhaltlicher Zusammenhang

Es habe kein inhaltlicher Zusammenhang zwischen der Vor- und Nachbereitung des Fußballspiels und der Brauerei bestanden, so das Gericht. Die Einbeziehung von Bierflaschen oder das vereinzelte Tragen von Sweatshirts mit entsprechenden Logos könne noch mit der redaktionellen Entscheidung, den ehemaligen Fußballmanager in der Situation eines „Männerabends“ zu interviewen, gerechtfertigt werden. Die umfangreiche Präsenz der Logos der Brauerei auf den gezielt platzierten Bierflaschen, den Sweatshirts, den Biergläsern, der im Hintergrund zu sehenden Wand sowie dem Eiskübel sei damit jedoch nicht zu begründen, so die Meldung weiter.

Inszenierte „Realität“

Der Argumentation der Senders, dass es sich beim veranstalteten „Männercamp“ um ein Abbild der „Realität“ handele, folgte das Gericht nicht. Vielmehr sei das „Männercamp“ eine für Werbezwecke inszenierte „Realität“. Die Rundfunkveranstalter und die werbetreibenden Unternehmen könnten sich die „Realität“, die eine Produktplatzierung rechtfertige, nicht selbst schaffen, um die gesetzlichen Vorgaben zur Begrenzung von Werbeeffekten zu umgehen, so die Meldung des OVG Rheinland-Pfalz.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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