Medienrecht

Product Placement im „Hasseröder Männer-Camp“ zulässig

Im Streit um das „Hasseröder Männer-Camp“ auf Sat.1 hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das dort vorgenommene Product Placement als rechtens eingestuft.

Sat.1. hatte 2011 beim Finale der UEFA Europa League vor und nach dem Spiel live in das sogenannte „Hasseröder Männer-Camp“ geschaltet. Dabei wurde der Fußballexperte Reiner Calmund interviewt und es waren vier Männern zu sehen, die bei einem Gewinnspiel ein Wochenende im „Männer-Camp“ gewonnen hatten. Die Männer trugen jeweils Sweatshirts mit dem Aufdruck der Brauerei, ebenso waren fünf gefüllte Biergläser sowie ein Eiskübel mit dem Schriftzug der Brauerei zu sehen. Bei der zweiten Liveschaltung war eine Flasche der Brauerei deutlich zu sehen. In den 50 Sekunden bzw. 1:17 Minuten dauernden Liveschaltungen wurde der Name der Brauerei drei- bzw. zweimal erwähnt.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Produktplatzierung beanstandet

Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz hatte die Produktplatzierung als Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag beanstandet. Sat.1 hatte dagegen geklagt, das Verwaltungsgericht hat den Beanstandungsbescheid der Landeszentrale aufgehoben. Auf deren Berufung hat das Oberverwaltungsgericht die Klage abgewiesen. Demnach sei das Produkt zu stark herausgestellt worden.

Grenzen von Produktplatzierung nicht überschritten

Das Bundesverwaltungsgericht hat nun der Revision von Sat.1 stattgegeben (BVerwG 6 C 31.13 – Urteil vom 23. Juli 2014). Nach Ansicht der Richter habe Sat. 1 die Grenzen zulässiger Produktplatzierung nicht überschritten. Die Herausstellung eines Produkts sei nicht bereits deshalb zu stark, weil ein hiermit verfolgter Werbezweck sich als solcher erkennbar im Sendungsgeschehen abbildet, so die Meldung des BVerwG. Zu stark sei sie erst dann, wenn der Werbezweck das Sendungsgeschehen dominiere, d.h. der redaktionelle Geschehensablauf ihm gegenüber in den Hintergrund rückt.

Dies würde sich nach Zahl und Länge der Produktdarstellung richten sowie der Tatsache, wie weit diese sich ihrer Art nach vom übrigen Sendungsgeschehen abheben und gegebenenfalls den redaktionellen Handlungsablauf sogar regelrecht unterbrechen.

Wenn aber ein bestimmter Handlungsstrang in die Sendung aufgenommen wird, um Gelegenheit für eine Produktplatzierung zu schaffen, gelten zusätzliche Anforderungen. Dies sei beim Männer-Camp der Fall. Dabei komme es darauf an, inwieweit der aufgenommene Handlungsstrang hinreichend starke Bezüge zum redaktionellen Sendungskonzept aufweise und sich in das übrige Sendungsgeschehen inhaltlich einpasse, so die Meldung weiter.

Beim „Hasseröder Männer-Camp“ habe man mit dem Fußballexperten überwiegend über das Fußballspiel gesprochen, das Produkt sei nicht künstlich in den Vordergrund gerückt (fokussiert) worden und habe die Interviews nicht überlagert, so das Gericht.

Inszenierung kein Fremdkörper in Fußballsendung

Vermeintliche Qualitäten des dargestellten Produkts spielten in den Liveschaltungen keine Rolle. Das Idee, eine gesellige Runde beim Fußballschauen in den Mittelpunkt zu stellen, sei konzeptionell nachvollziehbar und kein Fremdkörper in einer Fußballsendung, so die Argumentation der Richter. Ferner sei zu berücksichtigen, dass die Zuschauer im Rahmen von Fußballsendungen (einschließlich des Vor- und Nachspanns zur Spielübertragung) ohnehin mit einer Vielzahl werblich motivierter Darstellungen konfrontiert sind; daher ist ein weiter gefasster Maßstab als in anderen Sendungsformaten angebracht, so die Meldung weiter. Somit haben sich bei Würdigung sämtlicher dieser Umstände die Liveschaltungen in das „Hasseröder Männer-Camp“ im Rahmen des rundfunkrechtlich Zulässigen gehalten.

 

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts vom 23.07.2014

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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