Medienrecht

OLG Hamburg: Einwilligung zur Veröffentlichung bezieht sich nicht auf die Nachbearbeitung eines Pressefotos

Das Oberlandesgericht Hamburg (OLG) hat entschieden, dass sich die Einwilligung für die Veröffentlichung eines Fotos nicht auf ein nachbearbeitetes Bild bezieht, wenn der Bedeutungsgehalt des Bildes durch die Nachbearbeitung nicht nur unbedeutend verändert wurde. (Az. 7 U 56/11).

Frau wirkt durch Nachbearbeitung des Bildes stark geschminkt

Die Zeitschrift „Frau im Spiegel“ bildete die Frau eines bekannten Journalisten als stark geschminkte Frau ab. Auffällig war insbesondere ein dicker blauer Lidschatten. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war diese jedoch unauffällig, natürlich geschminkt. Sie wehrte sich nach der Veröffentlichung und klagte auf Unterlassung. Ihrer Ansicht nach, wirke das bearbeitete Bild typverändernd. Ihre natürliche Ausstrahlung sei durch die Nachbearbeitung verloren gegangen. Sie fühlte sich entstellt. Nun galt es die Frage zu beantworten, ob ihre ursprüngliche Einwilligung auch die Veröffentlichung des nachbearbeiteten Fotos umfasste.

Nachbearbeitung geht über reproduktionstechnisch bedingte Nachbearbeitung hinaus

Das Gericht schloss sich dem vorherigen Urteil des Landgerichts an und entschied, dass sich die Einwilligung hier nicht auf die Veröffentlichung des nachbearbeiteten Bildes bezog. Die Nachbearbeitung ging nach Ansicht der Richter über die reproduktionstechnisch bedingte Nachbearbeitung hinaus. Die ursprüngliche Einwilligung in die Veröffentlichung des Bildes umfasst nicht die Veröffentlichung des Bildes mit farblichen Veränderungen, die eine bedeutende Veränderung des Aussagegehaltes nach sich zog. Eine Einwilligung war auch nicht aufgrund der Tatsache entbehrlich, dass es sich bei der Frau möglicherweise um eine Person der Zeitgeschichte handelte. Für das Erfordernis einer Einwilligung sprechen hier berechtigte Interessen der Abgebildeten (Vgl. § 23 KUG). Die Veröffentlichung des Bildes verstößt somit gegen §§ 22, 23 KUG. Die abgebildete Frau hat einen Anspruch auf Unterlassung. Die Zeitschrift darf das Bild nicht mehr drucken.

Pressefreiheit erlaubt keine weitgehende Nachbearbeitung

Schließlich stellten die Richter noch fest, dass auch eine Abwägung zwischen der Pressefreiheit und dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Frau zu keinem anderen Ergebnis führt : „Die Pressefreiheit und insbesondere die Freiheit der redaktionellen Gestaltung haben hier schon deshalb geringere Bedeutung, weil eine unrichtige Information, die der verfassungsrechtlich vorausgesetzten Möglichkeit zutreffender Meinungsbildung nicht dienen kann, unter dem Blickwinkel der Meinungsfreiheit kein schützenswertes Gut ist. Diese Einschränkung gilt auch für Manipulationen von Fotografien, die zu einer unzutreffenden Bildaussage führen,…“.

 

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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