Medienrecht

Medienwächter beanstanden „Penistätowierung“

Im Kampf um die Quote schrecken die Sender nicht vor absurden Aktionen zurück, um so mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Doch diese ist nicht immer positiv. Die Sendung „Die spektakulärste Morningshow aller Zeiten: Die erste Penis-Tätowierung im Radio!“ hatte aufgrund zahlreicher Beschwerden von Hörern die Medienwächter auf den Plan gerufen. Die Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) hat nun die Aktion des Radiosenders 89.0 RTL und sowie deren Darstellung auf der Webseite des Senders beanstandet. Nach Ansicht der MSA hat die Aktion gegen den Jugendmedienschutzstaatsvertrag verstoßen.

Die in der MSA zuständige Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) sah es als gegeben an, dass beide Angebote die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren beeinträchtigen könne, so die Meldung der MSA.

Der Sender hatte die Zuschauer zu verrückten Aktionen aufgerufen. In der beanstandeten Sendung hatte ein Hörer sich das Wort „Mini“ auf den Penis tätowieren lassen und dafür die kostenlose Nutzung eines Mini Coopers für ein Jahr gewonnen.

Im März diesen Jahres sagte Martin Heine, Direktor der MSA, gegenüber der „Welt“: „Die Frage ist, ob eine solche Aktion morgens, 7 Uhr, beim gemeinsamen Familienfrühstück angebracht ist – und ob man dazu Video-Sequenzen im Internet hinterlegen sollte.“

Nun wurde eine Beanstandung ausgesprochen. „Hierbei war ein tragender Grund, dass die mediale Inszenierung einer „Penis“-Tätowierung als Gegenleistung für eine einjährige unentgeltliche Autonutzung auf Kinder und Jugendliche – deren Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen ist – den Eindruck vermitteln könnte, als sei der Tausch der körperlichen Unversehrtheit gegen materielle Gegenwerte, also das wörtliche „die Haut zu Markte“ tragen, gesellschaftlich akzeptiert und völlig normal“, so Heine.

Im Sinne des Jugendschutzes hätten sowohl der Radio- als auch der Internetbeitrag nur in der Zeit von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr verbreitet werden dürfen. Gerade beim Onlineauftritt des Senders hätte mit technischen Mitteln (z. B. mit Jugendschutzprogrammen) die Altersbegrenzung eingehalten werden können, was aber in beiden Fällen nicht getan wurde, so die Begründung

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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