Navigation öffnen
Startseite » News » Medienrecht » Vollbildwerbung bei ProSiebenSat.1: Medienanstalt prüft Werbung für Joyn
Vollbildwerbung bei ProSiebenSat.1 :

Medienanstalt prüft Werbung für Joyn

Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat kürzlich ihren neuen Streamingdienst Joyn gestartet. Damit so viele Zuschauer wie möglich auf das Angebot aufmerksam werden, wird das Logo des Dienstes in den Programmen der Sendergruppe regelmäßig im Großformat mitten im Bild eingeblendet. Ob es sich dabei um unzureichend gekennzeichnete Werbung handelt, hat nun die Bremische Landesmedienanstalt beurteilt.

Laptop mit geöffnetem Webseite eines Streaming-Anbieters

Für Werbung im Fernsehen gelten strenge Regeln. Insbesondere muss sie nach § 7 Rundfunkstaatsvertrag (RStV) ausreichend gekennzeichnet sein, damit Zuschauer sie von sonstigen Programm unterscheiden können. Dies muss nach § 7 Abs. 3 RStV durch optische oder akustische Mittel oder räumlich erfolgen. In der Praxis erfolgt dies regelmäßig durch Einblendung von Werbetrennern (Mainzelmännchen) oder Jingles („Mein RTL“). Doch immer wieder kommt die Frage auf, wann es sich überhaupt um Werbung handelt.

Aktuell gibt es Diskussionen um den neuen Streamingdienst der ProSiebenSat.1-Gruppe „Joyn“. Er löst die ehemalige Mediathek „7TV“ ab. Um Zuschauer auf das neue Angebot hinzuweisen, wird das Logo des Dienstes regelmäßig im Großformat am Ende von Sendungen der Senderfamilie eingeblendet – allerdings ohne, dass dies als Werbung gekennzeichnet wird.

Programmhinweis oder Werbung?

Ob dies gegen die Vorgaben aus dem Rundfunkstaatsvertrag verstößt, hat nun die Bremer Landesmedienanstalt geprüft.

Zu klären war, ob es sich bei der Einblendung um unzureichend gekennzeichnete Werbung oder bloß einen Programmhinweis handelt.

Letzteres wäre erlaubt, denn in § 28 Abs. 1 RStV ist geregelt, dass Unternehmen sämtliche Programme zuzurechnen sind, die es selbst veranstaltet. Insofern darf darauf ohne gesonderte Kennzeichnung verwiesen werden. So darf Pro7 etwa auf Sendungen beim ebenfalls zum Mutterkonzern gehörenden Sender Kabel1 verweisen.

ProSiebenSat.1 hält Anteile an Joyn

Bei Joyn ist es jedoch so, dass der Streamingdienst nicht allein von ProSiebenSat.1 betrieben wird, sondern es sich dabei um ein Joint-Venture mit Discovery Networks, zu dem u.a. Eurosport und DMAX gehören, handelt. Bei solchen Konstellationen darf nur dann ohne gesonderte Kennzeichnung auf das Angebot verwiesen werden, wenn das darauf verweisende Unternehmen mindestens ein Viertel der Geschäftsanteile an dem Dienst hält. Dieses Quorum erfüllt die ProSiebenSat.1-Gruppe jedoch, sodass es sich nicht um Werbung, sondern laut Bremischer Landesmedienanstalt lediglich um einen zulässigen „Hinweis auf das eigene Onlineangebot zur zeitunabhängigen Nutzung von Sendungen“.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob auch künftig so verfahren werden darf, denn es ist das erklärte Ziel der beiden Gesellschafter, weitere Unternehmen ins Boot zu holen. Dann könnte die 25-Prozent-Marke unterschritten und eine Werbekennzeichnung erforderlich werden.

fho