Medienrecht

Live-Voting bei „Unser Star für Baku“ im Visier der Medienaufsicht

Im Zusammenhang mit der Sendung „Unser Star für Baku“ liegt der Medienanstalt Berlin-Brandenburg offenbar eine Beschwerde wegen der Gestaltung der Zuschauerabstimmung vor.

Bildnachweis: Telefon / ND Strupler / CC BY 2.0 /Some rights reserved

Es ist wieder soweit – in der Show „Unser Star für Baku“ wird der deutsche Kandidat für den Eurovision Song Contest gesucht, der im Mai in Aserbaidschan stattfinden wird. Die Jury, bestehend aus der Sängerin Alina Süggeler, Stefan Raab und dem Jury-Präsidenten Thomas D., bewertet in 8 Shows die Qualitäten der Bewerber. Doch die Entscheidung darüber, wer in die nächste Runde kommt, haben die Zuschauer; sie können während der gesamten Sendung per Telefon oder SMS für ihren Favoriten abstimmen. Dabei fallen Kosten von 50 Cent pro Anruf oder SMS an.

 
Das Besondere an dem Voting: Das Ergebnis wird nicht erst am Ende der Sendung verkündet, sondern kann während der ganzen Sendung durch die Zuschauer nachvollzogen werden. Die eingeblendete „Blitztabelle“ führt auf, wieviel Prozent der Zuschauer jeweils für einen Kandidaten gestimmt haben und welche Rangfolge sich daraus ergibt. In der ersten Show lagen mehrere Kandidaten so dicht beieinander, dass sich bis zur letzten Sekunde ständig Wechsel in der Tabelle ergaben. Die Zuschauer mussten also kontinuierlich weiter für ihren Lieblingskandidaten anrufen, wenn sie verhindern wollten, dass er aus der Show ausscheidet.

 
Diese neue Form des Zuschauer-Votings steht nun in der Kritik. Der zuständigen Aufsichtsbehörde Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) liegt laut Informationen des „Focus“ (http://www.focus.de/kultur/medien/unser-star-fuer-baku-medienwaechter-pruefen-beschwerde-gegen-baku-voting_aid_702472.html) eine Beschwerde vor. Der Vorwurf: das Live-Voting baue beim Zuschauer einen unzulässigen Zeitdruck auf.

 
Wer die Beschwerde eingereicht hat, ist derzeit noch nicht bekannt. Die mabb hat bei ProSieben einen Mitschnitt der Sendung angefordert, um zu prüfen, ob das Verfahren „rechtlich problematisch“ ist. Diese Prüfung könne allerdings bis zu zwei Wochen dauern, so eine Sprecherin des mabb gegenüber dem „Focus“.

 
Zu der genauen Zahl der Anrufer wollte sich ProSieben bisher nicht äußern. Laut Sprecher Michael Ostermeier seien es aber im Vergleich zu „Unser Star für Oslo“ aus dem vergangenen Jahr „deutlich mehr“. Zu der nun eingereichten Beschwerde liegt noch keine Stellungnahme des Senders vor.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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