Foto- und Bildrecht

LG Hamburg: Günther Jauch wurde durch Veröffentlichung von bearbeitetem Bild in Persönlichkeitsrecht verletzt

Bei der Nachbearbeitung von Fotos sollten Sie-z.B. als Bildredakteur oder Werbetexter- aufpassen. Wenn die abgebildete Person verfremdet dargestellt wird, kann es schnell teuer werden. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landgerichtes Hamburg.

Im vorliegenden Fall wurde der Polit-Moderator Günther Jauch auf dem Cover des Buches „“Ich war Günther Jauchs Punching-Ball! Ein Quizshow-Tourist packt aus““ abgebildet. Im Folgenden ging Jauch gegen die Veröffentlichung des nachbearbeiteten Fotos nach erfolgloser Abmahnung Wege der Klage vor. Er verlangte von dem betroffenen Verlag neben der Unterlassung Erstattung der Abmahnkosten in Höhe von rund 700 € wegen nicht authentischen Darstellung seiner Person.

Das Landgericht Hamburg gab der Klage von Günther Jauch mit Urteil vom 14.10.2011 (Az. 324 O 196/11) statt. Hierbei verwiesen die Richter darauf, dass er nach ihren Feststellungen entstellt dargestellt wird. Beispielsweise wird der Oberkörper nach unten zum Rumpf hin schmaler und die am unteren Ende des Buches abgebildeten Hände sind im Verhältnis zum Körper deutlich kleiner. Hinsichtlich dieser Änderungen fehlt es an der nach § 22 KUG erforderlichen Einwilligung der abgebildeten Person. Von daher ist Jauch durch die Veröffentlichung in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt worden. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der betroffene Verlag möchte dagegen laut Meedia.de Berufung einlegen.

Wenn Sie-etwa als Verleger, Bildjournalist oder Werbetexter-ein Foto von einer Person veröffentlichen, sollten Sie allenfalls geringfügige Änderungen vorgenommen haben. Keinesfalls darf der Eindruck entstehen, dass die abgebildete Person verändert beziehungsweise entstellt dargestellt wird. Dies ergibt sich auch aus einer Entscheidung des Landgerichtes Hamburg vom 27.05.2011 (Az. 324 O 648/10). Hier sah das Gericht bereits einen auffällig blauen Lidschatten als Entstellung an. Im Zweifel sollten Sie lieber vor der Veröffentlichung Rücksprache halten.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Im Urteil 324 O 246/11 vom 15.07.11 – http://bit.ly/uqMUj9 – sah das gleiche Hamburger Gericht das allerdings anders http://bit.ly/nHGV1t

    Begründung:

    Personen dürfen auf dem Titel anders positioniert werden, wenn sie für den durchschnittlich sorgfältigen Leser aufgrund des Hinweises „Fotomontage” kontextneutral erscheinen.

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