Medienrecht

LG Aachen: TV-Film über Geiseldrama von Gladbeck darf gedreht werden

Die geplante Verfilmung des Geiseldramas von Gladbeck ist rechtlich zulässig. Insbesondere stehen dem Projekt nicht die Persönlichkeitsrechte des Geiselnehmers Hans-Jürgen Rösner entgegen. Das entschied das LG Aachen.

 LG Aachen: TV-Film über Geiseldrama von Gladbeck darf gedreht werden ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

LG Aachen: TV-Film über Geiseldrama von Gladbeck darf gedreht werden ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Das Gericht wies damit einen Prozesskostenhilfeantrag des verurteilten Mörders ab. Der Antrag sollte der finanziellen Absicherung seines Vorhabens, eine einstweilige Verfügung gegen die Berliner Produktionsfirma Ziegler TV zu erwirken, dienen.

Grundsätzlich kann die Prozesskostenhilfe zwar von einkommensschwachen Personen in Anspruch genommen werden, sie wird allerdings nur bei hinreichenden Erfolgsaussichten bewilligt. Diese verneinte die zuständige Kammer hier.

Gefährdung der Resozialisierung ist nachrangig

Rösners Anwalt Rainer Dietz vertrat die Auffassung, dass der geplante TV-Film die Wiedereingliederung seines Mandanten in die Gesellschaft gefährde.

Das Gericht räumte in seiner Entscheidung ein, dass Rösners Persönlichkeitsrechte von der geplanten Verfilmung berührt würden. Jedoch hätten diese im vorliegenden Fall hinter der Meinungs- und Rundfunkfreiheit zurückzustehen.

Person der Zeitgeschichte

Christian Schertz, Anwalt von Ziegler TV, wies darauf hin, dass es sich bei dem Geiseldrama von Gladbeck um eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte handele. Die Täter seien bis heute Personen der Zeitgeschichte und hätten daher grundsätzlich die filmische Auseinandersetzung mit ihrer Tat zu dulden.

Rösner und sein Komplize Dieter Degowski hatten im August 1988 eine Bank in Gladbeck überfallen. Bei der anschließenden Flucht durch Deutschland und die Niederlande wurden zwei Geiseln und ein Polizist getötet. Beide Täter wurden 1991 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. (FRB)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×