Medienrecht

KJM-Prüffälle 02/2012: „Super-Nanny“-Folge verstößt gegen Menschenwürde

Im zweiten Quartal 2012 hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) insgesamt 16 Verstöße gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) festgestellt, so die Meldung der KJM. Besonders kritisiert wurde dabei eine Folge der RTL-Sendung „Die Super-Nanny“.

„Super-Nanny“

Sechs Verstöße kamen aus dem Rundfunkbereich, zehn aus dem Bereich der Telemedien. In einer Folge der Sendung „Die Super-Nanny“ sah die KJM einen Verstoß gegen die Menschenwürde als gegeben an. In besagter Episode stand eine alleinerziehende Mutter im Mittelpunkt, die ihren drei Kinder (im Alter von sieben, vier und drei Jahren) sowohl physisch als auch psychisch Gewalt antat. Diese Szenen waren sowohl in der Vorschau, als auch in der Sendung mehrfach zu sehen. Nach Ansicht der KJM ziele diese „reißerische Darstellung primär auf den Voyeurismus der Zuschauer“. Das Leid der Kinder sei für kommerzielle Zwecke instrumentalisiert worden und die Kinder seien „zu Objekten der Zurschaustellung herabgewürdigt“ und somit in ihrem „sozialen Achtungsanspruch verletzt“ worden, so die Meldung der KJM. Ein Verstoß der Menschenwürde sei somit gegeben, so die Einschätzung der KJM.

„V – Die Besucher“

Bei einer Folge der Science-Fiction-Serie „V – Die Besucher“ (Pro Sieben, 20.15 Uhr) stellte die KJM eine Entwicklungsbeeinträchtigung für unter 16-Jährige fest (Sendezeitgrenze 22 bis 6 Uhr). In der Episode „Enthüllung“ waren drastische und realitätsnah inszenierte Folterszenen an einer Außerirdischen zu sehen. Nach Meinung der KJM könne man nicht ausschließen, dass diese Bilder Zuschauer unter 16 Jahren beeinträchtigen können. Da allerdings die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) die Sendung vorher geprüft habe und „die rechtlichen Grenzen ihres Beurteilungsspielraums nicht überschritten“ habe, dürfe die KJM keine Maßnahmen ergreifen, so die Meldung weiter.

„Jim Carroll – In den Straßen von New York“

Als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige (Sendezeitgrenze 20 bis 6 Uhr) beurteilte die KJM eine Wiederholung des Spielfilms „Jim Carroll – In den Straßen von New York“. Der Sender RTL hatte den Film im Tagesprogramm gezeigt. Nach Ansicht der KJM überfordern die drastischen Szenen von Leid und Gewalt (Beschaffungskriminalität, Prostitution) Zuschauer unter 12 Jahren und können diese übermäßig ängstigen.

„Die strengsten Eltern der Welt“

Auch die Wiederholung einer Folge der Reality-Doku „Die strengsten Eltern der Welt“ im Tagesprogramm von Kabel Eins wurde als entwicklungsbeeinträchtigend für unter 12-Jährige eingestuft. In der Sendung wurde eine Teenagerin in extremen Situationen gezeigt, auch bei körperlichen Übergriffen seitens ihres Gastvaters. Die KJM bewertet das Format generell als problematisch, vor allem da der Eindruck erweckt werde, dass die Jugendlichen einzig durch Strenge ihr Verhalten ändern würden. Da das junge Mädchen zudem ein Drogenproblem hatte, wäre ein therapeutischer Hilfsansatz wichtiger gewesen, so die Meldung der KJM. Besonders Kinder unter 12 Jahren könne „die Botschaft der Sendung („wenn du nicht brav bist, kommst du zu den strengsten Eltern der Welt“) nachhaltig ängstigen und verunsichern“, so die Meldung der KJM.

Newstime

Ebenfalls als entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder unter 12 Jahren wurde auch ein Beitrag der ProSieben Nachrichtensendung „Newstime“ um 18 Uhr bewertet. Darin ging es um einen 13-jährigen Jungen, der in Paraguay wegen Diebstahl verhaftet wurde und von der Polizei misshandelt wurde. Die Aufnahmen davon wurden dabei immer wiederholt und durch den Off-Kommentar dramatisiert. In diesem Fall sei besonders die Möglichkeit einer Identifikation mit dem Opfer seitens der jungen Zuschauer problematisch, so die Meldung der KJM. Auch in diesem Fall habe die FSF die Sendung geprüft und die rechtlichen Grenzen ihres Beurteilungsspielraums nicht überschritten, insofern dürfe die KJM auch in diesem Fall keine Maßnahmen ergreifen, so die Meldung weiter.

„The Punisher“

Als letzter Verstoß gegen die Jugendschutz-Bestimmungen im Rundfunkbereich nennt die KJM einen Trailer des Spielfilms „The Punisher“, der auf ProSieben vor 23 Uhr ausgestrahlt wurde. Da der Film erst ab 18 Jahren freigegeben ist, unterliegt auch der Trailer denselben Sendezeitbeschränkungen, d. h. Bewegtbilder für diese Sendungen dürfen auch erst ab 23 Uhr ausgestrahlt werden.

Telemedien

Im Bereich Telemedien legt die KJM nur anonymisierte Berichte von Verstößen gegen den Jugendmedienschutz vor, da die Angebote oft dauerhaft verfügbar sind.

Nach Ansicht der KJM sind drei Angebote nach dem JMStV absolut unzulässig, dabei handelt es sich um zwei Angebote aus dem rechtsextremen Bereich, die als jugendgefährdend eingestuft wurden. Ein weiteres unzulässiges Angebot ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde, der in der Mediathek eines Senders zu finden ist.

Zudem hat die KJM sechs Angebote mit einfacher Pornografie beanstandet. Ist Pornografie ausserhalb geschlossener Benutzergruppen zugänglich, liegt ein Verstoß gegen den JMStV vor. Ein weiteres Angebot beinhaltete erotische Bilder und explizite Schilderungen sexueller Vorgänge unterhalb der Pornografieschwelle und wurde somit als entwicklungsbeeinträchtigend eingestuft.

Das Verfahren wurde in sieben Fällen eingestellt, da die Anbieter die kritisierten Angebote nach der Anhörung entfernt haben, so die Meldung weiter. Da es sich nicht um Wiederholungstäter oder absolut unzulässige Angebote handelte, sei die Einstellung der Verfahren gerechtfertigt gewesen.

Je nach Art und Schwere der Verstöße beschloss die KJM Beanstandungen, Untersagungen und/oder Bußgelder. Die entsprechenden Verwaltungs- und Ordnungswidrigkeitenverfahren führen die jeweils zuständigen Landesmedienanstalten durch, strafrechtlich relevante Inhalte gebe die KJM an die zuständigen Staatsanwaltschaften ab, so die Meldung der KJm weiter.

In 55 Fällen, großteils aus dem Bereich der Pornografie, beantragte die KJM im zweiten Quartal 2012 die Indizierung eines Telemedienangebots bei der BPjM.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (2)

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  1. DJKaito [Mobile] sagt:

    Bei RTL wundert mich das wenig, da die ja sozusagen Harz4 TV machen. aber bei pro7? Nachrichten sind Nachrichten! man kann die Sendung nicht so schnell verlegen.

  2. Evtl. interessant in diesem Zusammenhang ist das Blog der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (www.blog.fsf.de), in dem gestern ein Beitrag einer Prüferin erschienen ist, in dem die Gründe für die Prüfentscheidung zur „Super Nanny“ dargelegt werden.

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