Medienrecht

Kinoverbände kritisieren VoD Förderrichtlinien

Video on Demand wird für viele TV-Zuschauer immer attraktiver. Doch auch im Bereich Kino soll sich das Streamen auf Wunsch künftig durchsetzen. Allerdings sehen die Kinoverbände dies kritisch.

Der internationale Filmkunstkinoverband CICAE und die drei nationalen Kinoverbände AG Kino-Gilde e.V. (Deutschland), AFCAE (Frankreich) und FICE (Italien) kritisieren die neuesten Versuche, die Auswertungsfenster für Kinofilme aufzuweichen. Mit den geänderten Förderrichtlinien sollen Kinos künftig einen Bonus erhalten, wenn sie europäische Filme parallel im Kino und als „Video on Demand“ starten.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Auswertungschronologie abschaffen

„Europa Cinemas“, die wichtigste europäische Förderinstitution für Kinos, habe damit den Forderungen von „Creative Europe“ in Brüssel nachgegeben, dass die Auswertungschronologie von Filmen abgeschafft werden soll, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

Filmstart im Kino und als VoD

Die parallelen Filmstarts im Kino und als VoD können die Existenz vieler kleiner Kinos mit europäischem Programmprofil gefährden, so die Befürchtung der Kinoverbände. Vor allem Kinos in kleinen Orten und in kleinen Ländern in denen es keine ausreichende oder keine öffentlichen Fördermaßnahmen für Filmtheater gibt, werden davon betroffen sein.

Überproduktion europäischer Filme

Es sei nicht die Schuld der Filmtheater, dass viele europäische Filme nicht die verdiente Aufmerksamkeit bekommen, bekräftigen die Verbände. Vielmehr sei die maßlose Überproduktion europäischer Filme von zuletzt 1.600 Filmen im Jahr 2014 bei seit Jahren fast stagnierenden Besucherzahlen eine Hauptursache für zu geringen Filmbesuch, heißt es in der Meldung weiter. Viele Filme würden dabei lediglich für den nationalen Markt produziert werden oder seien qualitativ nur bedingt wettbewerbsfähig, so die Feststelllung der EU-Kommission in ihrem ‚Bericht zum Kino im digitalen Zeitalter’.

VoD kein Garant für Publikumserfolg

Nach Ansicht der Kinoverbände könne kein Bonussystem für zeitgleiche Filmstarts im Kino und als VoD den Publikumserfolg kleiner europäischer Filme entscheidend verbessern. Eine Hauptursache für die Schwäche europäischer Filme in ihrer nichtnationalen Auswertung bleibe die Fixierung auf Produktionsförderung überall in Europa und die unzureichende Vertriebs-, Marketing- und Abspielförderung, so das gemeinsame Statement weiter. (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. Flu sagt:

    Wie sie sich wieder alle gegenseitig volljammern… sagenhaft! Der Satz mit der „maßlosen Überproduktion“ sagt doch schon alles. Der größte Teil davon wird nunmal Schrott sein. Aber trotzdem jammern alle weiter rum, daß jeder zu wenig abbekommt. Die können einem aber auch wirklich alle leid tun.

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